Mitteilungsblätter


Chur, im August 1998

Sehr geehrte und sehr liebe zukünftige Mitglieder,
Liebe Musikfreunde!
Am 3. Juni 1998 ist in der Helferei Grossmünster in Zürich die Internationale Juon-Gesellschaft gegründet worden, im Anschluss an die Taufe der neuen CD mit den Schweizer Violinkonzerten. Der Verein hat Sitz in Chur und wurde ordnungsgemäss ins Handelsregister eingetragen - was allein schon viel Geld gekostet hat...
Wir gestatten uns, Ihnen hier die Statuten dieses neuen Vereins zuzusenden und bitten Sie sehr herzlich um Ihre Unterstützung. Das vorerst nur hoffnungsreiche Pflänzchen braucht dringend Nahrung in Form von Mitgliederbeiträgen und Spenden, damit es seiner Aufgabe nachkommen kann. Ein erstes Mitglied - ich bitte um Applaus! - hatte schon am 17. April dieses Jahres seinen Mitgliederbeitrag überwiesen, und jetzt ist alles bereit für die vielen, vielen Beiträge und die grossherzigen Spenden, die wir erhoffen. Sie, liebe Juon-Freunde, gehören ja zu den immer noch viel zu seltenen Personen, die wissen, wer Paul Juon war, und dass er dringend unserer Unterstützung bedarf, damit seine Musik besser bekannt wird. Und genau dies ist das Ziel, das sich unser Verein gesteckt hat: ein bald hundert Jahre altes Versäumnis soll endlich gutgemacht werden.
Deshalb lege ich den Statuten auch eine Anmeldekarte bei und einen Einzahlungsschein. Wir bitten Sie sehr herzlich, beides in den nächsten Tagen auszufüllen und der Post zu übergeben. Bitte schicken Sie mir die ausgefüllte Karte zurück, auch wenn Sie schon den provisorischen Anmeldezettel ausgefüllt haben. Andere Adressen habe ich von Frau Aja Erguine bekommen, oder ich habe mir selbst welche ausgedacht. Übrigens: wenn Sie die Einzahlung per Giro oder über die Bank erledigen lassen, ist das günstiger, denn die Post verrechnet dem Empfänger Spesen für jede Einzahlung am Schalter. Vielen Dank!

Eine ganz besonders gute Tat wäre es, wenn auch Sie mir noch Adressen weiterer Interessenten aus Ihrem Bekanntenkreis verraten könnten. Oder wenn Sie gar das Amt des Kassiers übernehmen möchten: was für eine wunderbare Idee!
Überhaupt erhoffe ich mir die Mitarbeit vieler Freunde: bitte berichten Sie mir, wenn Sie etwas "Juonisches" unternehmen oder erfahren, sei es die Nachricht von einem Konzert, einer neuen CD oder einem Dokument oder Erlebnis irgend einer Art: ich bin für eine Mitteilung immer äusserst dankbar und werde sie gerne in unser nächstes Mitteilungsblatt aufnehmen.
Sogar wenn Sie wider Erwarten meinen herzerweichenden Appell nicht befolgen können oder wollen, bitte ich Sie um eine kurze Mitteilung. Dann werde ich schweren Herzens Ihre Adresse löschen und Sie nie mehr belästigen. Dummerweise werden Sie dann aber leider gar nicht erfahren, was Ihnen dadurch entgeht!
Dieses erste Mitteilungsblatt ist zunächst einmal seine eigene Geburtsanzeige. Weitere Briefe werden je nach Bedarf folgen, vielleicht etwa einer pro Jahr.

Wichtige Ereignisse dieser Monate:
· Dass die CD mit den Schweizer Violinkonzerten (von Willy Burkhard, Raffaele d'Alessandro und Paul Juon, mit Sibylle Tschopp als Solistin) jetzt erschienen ist, sollte bekannt sein. Sie kann mit der Anmeldekarte bei mir bestellt werden. Eine vollständige Liste der erhältlichen CDs mit Werken von Paul Juon ist ebenfalls bei mir erhältlich.

· Die Juon-Gesellschaft hat auch schon zwei Ehrenmitglieder ernannt:
Frau Aja Erguine, Sainte-Geneviève-des-Bois, Juons letzte noch lebende Tochter, die miterlebt hat, wie ihr Vater berühmt wurde, und wie er dann wieder in Vergessenheit geriet für fünf Jahrzehnte, und jetzt darf sie erleben, wie er wieder entdeckt wird. Wir schicken ihr hiermit unsere besten Wünsche und unsere herzlichsten Grüsse!
Herr Walter Labhart, Endingen, ist seit vielen Jahren aktiv als Juon-Pionier. Er hat in zahlreichen Zeitungsartikeln immer wieder auf den Komponisten hingewiesen und ist sicher einer der besten Kenner seiner Werke.

· Die Saarländer Kammermusiktage in Homburg (24. bis 31. Mai) waren für mich ein ganz wunderbares Erlebnis. Vier höchst anregende Konzerte mit erstklassigen Musikern, die öffentlichen Proben, aber auch die überaus liebenswürdige Betreuung und die hervorragende Verköstigung erzeugten für alle Mitwirkenden ein wahres Schlaraffenland. Es wurden folgende Juon-Werke aufgeführt, z. T. gut, z. T. hervorragend: das Sextett op. 22, das Quintett op. 33, das Divertimento op. 34 für Klarinette und 2 Bratschen, die Flötensonate op. 78 und mehrere Lieder. Daneben natürlich Werke anderer Komponisten, bekannte und unbekannte. Die Kammermusiktage in Homburg/Saar sind ein Geheimtip für Kammermusikfreunde! In zwei Jahren sollen sie wieder stattfinden.

· Am 7. Juli 1998 habe ich im Archiv des Lienau-Verlages das Autograph von op. 25 entdeckt, das bisher als verloren galt: Zwei Stücke für Klarinette mit Klavierbegleitung, die 1904 entstanden sind. Die Stücke sind nie gedruckt worden, vielleicht schienen sie dem Verleger zu kurz für eine Einzelausgabe. Die beiden Sätzchen von 158 und 128 Takten sind sehr charakteristisch und würden sich sowohl für den Konzertsaal als auch zu Studium und Unterricht eignen. Wie die Klarinettensonate op. 82 sind sie Juons Freund Ernst Orlich zugeeignet, doch leider erlaubt mir der Lienau-Verlag nicht, die Widmung hier zu zitieren. Er möchte sich das Recht auf Erstveröffentlichung gerne weiterhin vorbehalten. Ich hoffe sehr, dass diese Veröffentlichung nicht mehr allzulange auf sich warten lässt.

· Am 5. September findet um 17 Uhr im Schloss Reichenau bei Chur der "Nachsommer" statt, der diesmal die Form einer Geburtstagsfeier für die Juon-Gesellschaft haben wird. Ich darf eine kleine Ausstellung über Paul Juon vorbereiten, und Livia Bergamin und Risch Biert werden (zusammen mit den Flötensonaten von Otar Taktakischwili und Sergej Prokofjew) Juons wunderbare Flötensonate op. 78 und zwei Stücke aus op. 79 aufführen. Entnehmen Sie bitte die weiteren Details der Lokalpresse.

· Am 25. Oktober (Sonntag) um 17.00 findet im Titthof Chur ein Konzert statt, das zum Ereignis werden wird: das Altenberg Trio reist extra von Wien nach Chur, um hier die Legende op. 83 zu spielen (und die Trios von Dvorák und Saint-Saëns) Also gleich nochmals eines der allerschönsten Werke unseres Komponisten. Erstaunlich, was der Zufall manchmal alles fertigbringt! Das Konzert verdient einen vollen Saal, und der Titthof könnte 380 Personen fassen. Bitte lassen Sie sich das nicht entgehen und helfen Sie mit bei der Flüsterpropaganda! Das Altenberg Trio ist ein ganz hervorragendes Ensemble, auch wenn man das in der Schweiz noch nicht so recht gemerkt hat.

· ImNovember wird im Foyer der Universitätsbibliothek Lausanne eine Ausstellung über Paul Juon eröffnet, die den Fonds Paul Juon vorstellen wird, dessen Katalog mittlerweile herausgekommen ist. Die Ausstellung wird drei Monate dauern und anschliessend mindestens teilweise auch in Chur zu sehen sein.

· Am 6. November spielt das Trio "Jean Françaix" in Vevey Juons Trio-Miniaturen u.a.

· Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einen Überblick geben über mein thematisches Werkverzeichnis, das in diesem Herbst erscheinen wird. Der Einleitungsteil (70 Seiten) enthält folgende Beiträge:

1. Thomas Badrutt, Dokumente zur Biographie.
2. Jacques Viret, La musique de Paul Juon, ou les charmes d'un modernisme discret.
3. Laurent Klopfenstein, Profil d'une oeuvre.
4. Thomas Badrutt, Rhythmus und Form in Juons Bratschensonate. Einige Bemerkungen über Juons Kammermusikwerke.
5. Nicole Kurmann, Zwischen Hommage und Identitätssuche. Paul Juons Sextett op. 22 im Vergleich mit dem Klavierquintett op. 34 von Johannes Brahms.
6. Thomas Badrutt, Was erzählt die Legende? Paul Juons Werke im Überblick.

Der Katalogteil wird ca. 150 Seiten umfassen und enthält auch verschiedene Verzeichnisse: Discographie der CDs, Bibliographie, Werktitel nach Opuszahl und nach Besetzung, eine Liste der erhaltenen Autographen sowie ein Gesamtregister.

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Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihr Interesse und Ihr Wohlwollen und freue mich mit Ihnen über die Erfolge, die die Musik Paul Juons und die Internationale Juon-Gesellschaft weiterhin erleben dürfen.

Mit freundlichen Feriengrüssen
Ihr ergebener

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