Mitteilungsblätter


Bülach, 10. November 2004


Liebe Juonfreunde

Unser Festtag 'Journée Paul Juon' am 2. Oktober 2004 im Conserva-toire de Musi-que in Lausanne ist über die Bühne gegangen und hat starke Eindrücke hinterlassen - diejenigen von Ihnen, die dabei waren, werden es bestätigen.

Der Hauptartikel dieser Nummer ist denn auch ein Bericht über diesen Festtag. Er war und ist ein Höhepunkt für die IJG und si-cher auch eine Zäsur im Leben unserer Gesellschaft.
Von einem Einschnitt, dem Abschluss einer Phase handelt auch mein zweiter Beitrag.

Ich wünsche Ihnen gute Lektüre.

Mit herzlichen Grüssen


 


Journée Paul Juon - Paul Juon Festtag
Lausanne, 2. Oktober 2004

Ein Bericht

 

Sie erinnern sich: Einerseits hat Juon seine letzten Lebensjahre, 1934 - 1940, in Vevey verbracht, woher auch seine zweite Frau, 'Armande' genannt, stammte.
Andrerseits liegt in der Bibliothèque cantonale et universitaire (BCU) in Lausanne fast der gesamte Nachlass unseres Komponisten. Die IJG hilft mit, dieses Zen-trum, welches ja auch der Juon-Forschung dient, immer vollständiger zu dokumentieren.
Grund genug für uns, nach Lausanne zu gehen. Und sicher verständlich, dass die statutengemäss durchgeführte Mitgliederversammlung nur noch der Aufhänger war, das eigentliche Zentrum aber die 'Rahmenveranstaltungen', zwei Konzerte und ein Vortrag.

Diesem Mitteilungsblatt beigelegt finden Sie den sog. Saaltext für die beiden Konzerte. Der Musikwissenschafter Walter Labhart war so freundlich, Hinweise zu den gespielten Werken zusammenzustellen. Wir sind dankbar, dass wir dafür den wohl kompetentesten Juon-Kenner gewinnen konnten.

Wir hoffen, mit diesem Tag eines unserer wichtigsten Ziele erreicht zu haben: Paul Juon in der Suisse Romande wieder in Erinnerung gerufen und stärker ins Bewusstsein gebracht zu haben.

Durchführungsort war das auch architektonisch wunderschöne 'Conservatoire de Musique'. Dessen Direktor, Herr Pierre Wavre, hat uns als liebenswürdiger und wahrhafter 'hôte' in umfassendstem Sinne eine sehr grosse Unterstützung zukommen lassen, uns eine grosszügige Infrastruktur, kompetentes, freundliches und hilfsbereites Personal etc. zur Verfügung gestellt. Ihm, aber auch Frau Cretton vom Sekretariat und den Herren Pidoux und Schilliero vom Hausdienst möchte ich an dieser Stelle meinen grossen Dank aussprechen.

Monsieur Wavre umriss in seiner Grussadresse die Aufgabe, die ein Konservatorium wahrnehmen soll, indem es eine solche Veranstaltung unterstützt.

Anschliessend boten drei Studenten und der Pianist der Institution unter dem Titel 'Paul Juon et contemporains' ein erstes Konzert:
Sie spielten von Juon die Klarinettensonate op. 82 und die 'Arabesken' für Oboe, Klarinette und Fagott, op. 73; als Ergänzung (oder Kontrapunkt?) dazu Bohuslav Martinu's Klarinettensonate sowie diejenige von Francis Poulenc.
Bravouröse InterpretInnen waren dabei Daphné Amori, Oboe, Dany Rossier, Klarinette, Nicolas Michel, Fagott (Kammermusikklasse von Professor Rapin) und Nicolas Le Roy als Begleiter am Klavier.
Das genussvolle Konzert war ebenso sehr ein Spiegel des Schaffens von Juon und Komponisten aus seiner Zeit wie auch des hohen Niveaus der Studenten des Konservatoriums Lausanne.
Nach dem Mittagessen wurde im kleinen Saal die Mitgliederversammlung durchgeführt. An diesem reich befrachteten Tag sollte sie nicht mehr als das absolut notwendige Gewicht erhalten, weshalb wir uns auf die statutarischen Geschäfte beschränkten. Der folgende Kurzbericht darüber soll gleichzeitig Protokoll sein.

'Regards sur Paul Juon'. Unter diesen Titel stellte Herr François Deléglise, Professor für Musikgeschichte am Konservatorium, seinen hervorragend aufgebauten und inhaltlich dichten Vortrag. Einem interessierten Publikum gewährte er Einblicke in die Persönlichkeit des Komponisten, Einsichten, die erst wirklich greifbar werden, wenn man eben 'regards' wirft auf die Situation seiner Herkunftsfamilie wie auf seine eigene, auf das künstlerische Umfeld, auf den krass sich ändernden politischen Kontext etc.
Es war eine grosse Chance, in 45 Minuten soviel über eine bedeutende Komponistenpersönlichkeit dazulernen zu können. Herzlichen Dank dem Referenten für diesen gewichtigen Beitrag.
Höhepunkt und Abschluss unseres Festtages war dann das zweite Konzert.

Die Ensembles bestehen aus international tätigen und anerkannten Musikerinnen und Musikern. Selbstverständlich, dass sie durch engagierte Interpretationen auf sehr hohem Niveau für einen grossen Konzertgenuss sorgten - ungeachtet der, wie leider schon am Morgen, enttäuschend kleinen Besucherkulisse. Das ist wirklich professionelles Musizieren.
Gar nicht selbstverständlich hingegen ist, dass diese Solistinnen und Solisten bereit waren, mitzuwirken, obwohl wir nur eine bescheidene Gage anbieten konnten. Dahinter steckt nicht nur das Engagement für das Werk Juon's, sondern auch eine Freundschaftsgeste unserer Gesellschaft gegenüber. Die IJG dankt, sicher auch in Ihrem Namen, jeder Musikerin und jedem Musiker für ihr Entgegenkommen!

Das zweite Konzert wurde von Radio Suisse Romande, Espace 2 aufgezeichnet. Die Ausstrahlung findet auf diesem Sender am Freitag, 12. November, von 20.00 - 22.30 Uhr statt, also zur besten Sendezeit, was sehr erfreulich ist. Und zwar im Rahmen eines ganzen Juon-Abends! Wir hoffen, dass durch diese Ausstrahlung der grosse Kreis von Hörerinnen und Hörern erreicht wird, den dieses Konzert verdient.


Es erklang ein repräsentativer Querschnitt durch Juon's Kammermusik:

- Klaviertrio Nr. 1, a-moll, op. 17
European Fine Arts Trio
François Killian, Klavier
Tomasz Tomaszewski, Violine
Pi-Chin Chien, Violoncello

- Flötensonate F-dur, op. 78
Livia Bergamin, Flöte
Claus-Christian Schuster, Klavier

- aus 'Tanzrhythmen' für Klavier
Hélène Calef, Klavier
4-händig, op. 14, 2 - 6; op. 24, 2 François Bou, Klavier

- Violinsonate h-moll, op. 86
Sibylle Tschopp, Violine
Isabel Tschopp, Klavier

- Litaniae - Klaviertrio, op. 70
Altenberg Trio
Claus-Christian Schuster, Klavier
Amiram Ganz, Violine
Martin Hornstein, Violoncello

Wenn ich allen, die sich für die Realisierung des Tages eingesetzt haben, nochmals danke, gewiss auch im Namen aller Mitglieder der Internationalen Juon-Gesellschaft, und Sie gleichzeitig weiterhin um Unterstützung in der 'Sache Juon' bitte, so in der Gewissheit, dass 'Lausanne 2004' eine Erfahrung und Bestätigung war, dass sich das Engagement für den Komponisten Paul Juon unbedingt lohnt.


Es folgt nun noch eine wichtige Mitteilung in eigener Sache:


Liebe Mitglieder, liebe Juonfreunde

Ich habe noch zu Lebzeiten von Thomas Badrutt, dem Gründer der IJG, das Amt des Kassiers übernommen, nach seinem Tode dann das weit umfassendere des Geschäftsführers. Diese Arbeit ist nach wie vor sinnvoll, faszinierend, erweitert den Horizont und ermöglicht weltweit fachlich und menschlich interessante Kontakte. Ich kann auch auftanken, indem ich mit Erwachsenen ein Feld bearbeite ganz ausserhalb meiner Tätigkeit als Musiklehrer von Jugendlichen an einem Gymnasium.
Die Kehrseite der Medaille: Selbst ohne solche Grossprojekte wie 'Lausanne 2004' ist es ganz einfach unmöglich, die ganze IJG-Arbeit neben Partnerschaft, einem vollen Berufspensum und praktischer Musikausübung zu bewältigen. Dass mir das überhaupt bis jetzt - mit Hilfe einer ausgeklügelten Organisation, die ich mir aufgebaut habe - einigermassen gelang, verdanke ich ausser meiner Frau, die mir grosse Unterstützung zukommen lässt, vor allem Reto Willy aus dem IJG-Vorstand. Ohne seine Mithilfe, vor allem im Bereich fremdsprachige Kontakte, Dokumentationen, Telefonate etc. wäre vieles gar nicht möglich gewesen. Ich möchte ihnen beiden - sicher auch in Ihrem Namen - meinen ganz grossen Dank aussprechen.

Ich will nicht, dass meine Begeisterung für diese wertvolle Aufgabe erstickt!
Deshalb muss ich mein Arbeitspensum für die IJG reduzieren. Ich teile Ihnen meinen Entscheid mit, den ich fällen musste, und gehe davon aus, dass Sie ihn respektieren werden. Da es kein Rücktritt ist, ist keine formelle Abstimmung an einer Generalversammlung notwendig. Gleichzeitig danke ich Ihnen für das Vertrauen, das Sie meiner bisherigen Arbeit entgegengebracht haben.

Ich werde ab 1. Januar 2005 nur noch in folgendem Umfang der IJG zur Verfügung stehen:

gesellschaftsintern:


extern:


Ich kann hingegen nicht auch noch Konzertveranstalter (in allen Facetten...) sein, die Neuedition des Juon-Notenmaterials betreuen, grosse Anlässe organisieren etc.

Notwendige Folge dieser Neuorientierung wird ein knapperes 'Serviceangebot' sein.

Was mehr schmerzt, ist, dass einige wichtige, spannende, längerfristige Projekte (Briefwechel Juon - Tschaikowskij, Neuedition von Noten, Fundraising) - mindestens vorläufig - nicht mehr weiter verfolgt werden können.

Und mich erfüllt auch mit Sorge, dass es trotz grosser Anstrengung offenbar kaum möglich ist, neue Mitglieder zu gewinnen: ich habe beispielsweise keine einzige Rückmeldung einer Musikhochschule oder Uni erhalten, obwohl ich sämtliche Institute in der Schweiz angeschrieben habe; in den letzten zwei Jahren gab es keine Anmeldung eines Neumitgliedes, das von Mitgliedern geworben worden wäre; immerhin einige wenige spontane Neuanmeldungen (neben solchen aus der Schweiz sogar eine aus England); zudem treten alte Mitglieder aus oder sterben weg.

Wenn dieser Bericht etwas ausführlicher daherkommt und breit gestreut wird, dann mit der Hoffnung, dass jemand sich angesprochen fühlt und bereit ist, gerade auch bei einem solchen Einzelprojekt einzusteigen.

Diesen Schritt zu vollziehen wird mir erleichtert durch die Beobachtung, dass die IJG eine gewisse Eigendynamik erhalten hat (vgl. die Rubriken 'Konzertvorschau und -chronik' auf unserer Homepage); ich bekomme - oft unaufgefordert - immer mehr Meldungen von Konzertaufführungen und Neueinspielungen; die angestrebte 'Renaissance' scheint also im Gange zu sein.

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