Mitteilungsblätter


Bülach, 1. Oktober 2005


Liebe Juonfreunde

Ich hoffe gerne, dass auch Sie eine gute Sommerzeit verbracht haben, vielleicht inmitten einer Natur, die sich in diesen Monaten in all ihren Facetten gezeigt hat. Schön, überwältigend, auch unerbittlich.

Das vorliegende Mitteilungsblatt springt kunterbunt von Thema zu Thema, Spiegelbild der immer lebendigeren Paul-Juon-Renaissance und der verschiedensten Aktivitäten unserer IJG.

Auf meinen Aufruf zur Meinungsäußerung im letzten Blatt habe ich immerhin etwa 10 Antworten erhalten. Sie waren allesamt positiv in dem Sinne, dass es i.O. sei, das Mitteilungsblatt elektronisch zu erhalten, ja, dass es sogar vorstellbar sei, eine Mitgliederversammlung, an der es ausschliesslich um statutarische Geschäfte gehe, 'schriftlich' durchzuführen. Selbstverständlich werde ich nun erstmals diesen Versand teilweise per mail durchführen. Wenn auch Sie Ihre IJG-Post künftig per mail erhalten möchten, teilen Sie mir das bitte mit auf: ufalett@juon.org. Vielen Dank. Sie ersparen mir damit Arbeit und der Gesellschaft Portokosten.

Mit herzlichen Grüssen



 


Projekte und Aktivitäten

1. Bergell/Chur
Das 'Institut für Kulturforschung Graubünden' ist eine 'halbstaatliche' Institution des Heimatkantons von Juon. Es steht unter der äusserst kompetenten und initiativen Geschäftsführung von Dr. Georg Jaeger. Er hat eine Wanderausstellung aufgebaut unter dem Titel 'Bündner im Russischen Reich', welche diesen Sommer Station machte im kulturell wichtigen Schloss 'Castelmur' im Bergell, einem der Südtäler Bündens. In diesem Rahmen versuchte er mit unendlichem Aufwand, in Zusammenarbeit mit der IJG, eine thematisch übergreifende Veranstaltung Ausstellung - Konzert - Vortrag zu realisieren, was leider am Schluss fehlschlug. Doch geben wir nicht auf. Wir hoffen, dieses Projekt im Herbst 2006 an der nächsten Station, in Chur, der Hauptstadt des Kantons, zu verwirklichen.

Hinweis: Uebrigens ist - ebenfalls unter dem Titel 'Bündner im russischen Reich' - das 670 Seiten starke wissenschaftliche Werk von Roman Bühler im Desertina-Ver-lag neu aufgelegt worden (ISBN 3-85637 254-7; ©2003). Ich habe das Buch für die IJG angeschafft; es ist ein wertvolles Werkzeug bei der Erforschung der biographischen Spuren Juons.


2. Juon-Ausstellung
Wie bereits im letzten Mitteilungsblatt angetönt, ist eine Juon-(Wander-)Ausstel-lung geplant, die vom Ausstellungsmacher und Juon-Experten, dem Musikwissenschafter Walter Labhart, konzipiert wird; auch hier zusammen mit Dr. Jaeger und der IJG. In Chur, wo sie starten wird, soll auch speziell auf Thomas Badrutt, den Gründer unserer Gesellschaft, hingewiesen werden. Th. Badrutt, 1999 gestorben, war in der Stadt eine bekannte Figur, und es dürfte uns alle freuen, wenn seine Arbeit auf solche Weise in Erinnerung gerufen und gewürdigt wird.


3. 'Psyche' am Stadttheater Chur
Herr Manfred Ferrari, der Regisseur, hat mir mitgeteilt, dass im April 2006 Juons Ballettmusik 'Psyche', op. 32a am Stadttheater Chur aufgeführt werden soll. (Première 6. April). Es handelt sich hierbei um ein szenisch-musikalisches Projekt mit dem Titel 'Die Seele wiegt 21 Gramm'. Die musikalische Leitung hat der junge Churer Komponist David Sontòn Caflisch. Es gibt nur wenige Chancen, dieses äusserst selten aufgeführte Werk zu sehen und zu hören!


4. Filmische Juon-Biographie
Derselbe initiative Regisseur arbeitet noch an einem andern Juon-Projekt, welches allerdings erst in der Startphase steckt. Ebenfalls in 2006 soll eine filmische Juon-Biographie fürs Fernsehen entstehen. Das Romanische Fernsehen und das Fernsehen DRS haben ihr Interesse angemeldet. Als Teil dieses Dokumentarfilms würde in Chur ein Juon-Konzert erarbeitet und aufgeführt werden.

5. Konzerte, CD-Projekte, Noten


6. Und sonst noch?
Courant normal, d.h. Beantwortung von Anfragen aus aller Welt und senden von Unterlagen und Dokumentationen in alle Welt.


Erinnerungen an die Familie Juon in Vevey

Die Beschäftigung mit Juons Umfeld beschert einem manchmal ungeahnte Begegnungen. Als ich anlässlich der Tonhalle-Matinée mit Juon-Werken im Januar 2005 (vgl. Mitteilungsblatt Nr. 14) die IJG vorstellte, kam ich mit einer fast 90-jährigen, sehr offenen und vitalen Frau ins Gespräch. Sie war befreundet mit Juons Tochter Irsa und ging deshalb im Hause Juon in Vevey aus und ein. Diesen Sommer, am 15. Juni besuchte ich Frau Juliette Hug zuhause. In einer gemütlichen Plauderstunde kramte sie in ihren Erinnerungen. Mit ihrer Erlaubnis gebe ich hier dieses Gespräch gerne wieder:

Aus Juons erster Ehe mit einer Russin stammen Ina, Aja und Ralf. Nach deren Tod heiratete er die aus Vevey stammende Marie Hegner-Günthert, genannt Armande. Auch sie war Witwe. Ihr erster Mann war Pianist gewesen. 1934 siedelten sie nach Vevey über, wo Paul Juon im August 1940 starb, seine Frau im Oktober 1957.

Die Kinder aus dieser 2. Ehe sind:

Frau Hug und Irsa besuchten als Mädchen zusammen das 'Gymnase de Jeunes Filles' in Lausanne und waren eng befreundet.
Zusammen mit einem dritten Mädchen bildeten sie ein Freundinnen-Trio. Diese dritte Frau lebt noch in Lausanne.
Irsa, die ja in Berlin aufgewachsen war, war eine sehr gute Schülerin in Deutsch. Sie nahm später Russisch-Stunden und kannte deshalb auch diese Sprache.
Irsa hatte eine klar pro-russische Haltung. Die Deutschen (Nazizeit!) hatte sie wohl nicht gerne gehabt. Wahrscheinlich gab es deshalb auch nicht sehr intensive Kontakte zu den Halbbrüdern aus erster Ehe. Dagegen hatten alle 3 Kinder eine sehr pro-französische Haltung.
Aja und Irsa hatten eine sehr gute Beziehung. Aja, die den 'Pope' der russisch-orthodoxen Kirche von St. Geneviève-des-Bois bei Paris geheiratet hatte und welche einen Adoptivsohn und eine Tochter hatte, ist über 100 alt geworden. Sie kam auch ab und zu nach Vevey und noch in den 90er Jahren an die Beerdigung von Stella nach Lausanne.
Kontakte gab es auch zu P. Juons Bruder, dem Maler Konstantin Juon und zum andern Bruder, welcher Ingenieur in Bern war.
Die Familie erlebte in den letzten Lebensmonaten des Vaters ein trauriges Drama: Als der Krieg 1939 ausbrach, kämpfte Rémi mit den französischen Soldaten. Nach der Niederlage hoffte der Vater, er würde den Sohn nochmals sehen. Aber dieser kam nur Wochen zu spät zurück, der Vater war schon tot.

Während Frau Hug Juons Frau als sehr lieb und umgänglich beschreibt, hatte sie mit dem Komponisten, dem Mann mit dem imposanten Spitzbart, nur wenig Kontakt. Wenn sie im Hause Juon war, erschien er nur zum Essen. Man nannte ihn einfach 'le vieux monsieur'. Aber es war beeindruckend, zu wissen, dass er seine Zeit am Klavier und mit Komponieren verbrachte.

Von den Kindern aus zweiter Ehe schien nur Irsa musikalisch und musikinteressiert zu sein. Sie spielte Geige, mit dem Vater zusammen Sonaten, und auch im Schulorchester, welches sogar einmal im damaligen 'Cinéma Capitole' anlässlich einer Jahresschlussfeier in Lausanne ein Werk von Juon aufgeführt hat. Und der Komponist liess es sich nicht nehmen, der Aufführung beizuwohnen.
Als P. Juon starb, dachte man allgemein, jetzt sei es fertig mit Musik. Der Flügel des Vaters ging an Irsa. Das Instrument bedeutete ihr viel; sie nahm es bei jedem Umzug mit.

Einzahlung des Mitgliederbeitrages 2005

Erfreulicherweise haben sehr viele Mitglieder meinen Aufruf beherzigt, möglichst bald einzuzahlen. Dafür bedankt sich der Kassier sehr! Und Sie dokumentieren da-mit auch Ihr Interesse für und Ihre teils langfristige Verbundenheit mit der IJG. Auch das verdient Dank.
Bei den wenigen andern, sie lassen sich fast an einer Hand abzählen, werde ich mir wiederum erlauben, mit einer diskreten Beilage auf den noch ausstehenden Mitgliederbeitrag hinzuweisen, mit der Bitte, den Obolus bald einzuzahlen. Danke auch dafür. Denn wir sind nach wie vor sehr auf das Geld angewiesen. So präsentiert der Kassier Ende Jahr gerne fröhlichen Herzens ein ausgeglichenes Budget...

Uebrigens (Sie haben die Bitte auch schon gehört...):
Nehmen wir einmal an, jede(r) von Ihnen wirbt auch nur 3 neue Mitglieder – 250 (zweihundertfünfzig) sind schon eine grosse Zahl! Wir danken Ihnen für Ihren Einsatz!


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