| Mitteilungsblätter |
Bülach, 1. März 2007
Liebe Juonfreunde
Im Editorial zur letzten Nummer habe ich geschrieben: '...2006 war für
die Mitglieder der Int. Juon Gesellschaft ein nach aussen eher stilles Jahr...'
Das mag auch für die ersten Monate von 2007 stimmen; aber eben nur nach
aussen.
Für mich war vor allem der Schluss des letzten Jahres anders - geradezu
aufregend nämlich. Davon will ich Ihnen in den nächs-ten Abschnitten
berichten.
Vielleicht nicht so aufregend, aber trotzdem wichtig für unsere Arbeit
ist, dass wir weiterhin mit Ihrer (auch finanziellen) Unterstützung rechnen
können. Deshalb erhalten Sie, wie jedes Frühjahr, die Einladung zur
Entrichtung Ihres Mitgliederbeitrages. Für die prompte und zuverlässige
Einzahlung dankt Ihnen der Kassier jetzt schon.
Mit herzlichen Grüssen
Dass Paul Juon wieder entdeckt und in seiner Bedeutung erkannt wird, zeigt
sich unter anderem darin, dass er in neuen Lexika ausführlich Aufnahme
findet:
- Der 'Dictionnaire Historique Suisse' (DHS) will seinen Juon-Artikel mit Fotos
ins rechte Licht rücken. Da die Rechte für die Veröffentlichung
von Fotografien bei der IJG liegen, erhielt ich eine entsprechende Anfrage.
Quasi als Gegenleistung zur Bewilligung stellt mir der Verlag (Herr Malfroy)
professionelle digitale Dateien der (leider nur wenigen) alten, technisch meist
nicht sehr guten Bilder zur Verfügung. Diese teilweise über 100 Jahre
alten Bilder sind natürlich meist nur noch als Kopien vorhanden, Originale
existieren kaum mehr. Dieser 'deal' wiederum nützt der IJG, da ich oft
Anfragen nach Bildern erhalte.
- Das ' Internetlexikon zur Schweizer Musik - Musinfo' (www.musinfo.ch) baut
zurzeit ihr ausführliches Dossier 'Juon' aus. Dieses basiert auf unseren
Angaben - damit erfährt das Wissen über Paul Juon eine weitere Verbreitung
auf diesem zeitgemässen Medium.
a) So wie sich die Anfragen von Musikern nach Juon-Werken häufen, so nimmt
auch unsere Konzert-Vorschau und die Konzert-Chronik im Umfang schon beinahe
exponentiell zu. Ueberzeugen Sie sich - durchaus mit etwas Stolz - davon auf
unserer Homepage, Sie werden überrascht sein.
Ein Beispiel: Die letztes Mal angekündigten Konzerte des Berner Kammerensemble
mit dem Bläserquintett op. 84 (+ Mussorgskij, 'Bilder einer Ausstellung'
und Liadov, am 23. September 2006 in Bern und am 27. Oktober 2006 in Chur. Dort
wurde es kombiniert mit der Ausstellung 'Bündner im Russischen Reich'.
Und genau das ist ein sinnvolles Ziel: Juon immer wieder auch in einen Kontext
zu stellen. Das streben wir ja auch an mit der grossen Juon-Ausstellung. Die
Vorbereitungen für diesen Höhepunkt im Jahre 2008 sind im Gange.
b) Neue CD's: Die bereits im letzten Mitteilungsblatt angekündigten Neuaufnah-men:
- MGB CD 6242: Sämtliche vier Streichquartette mit dem Niziol-Quartett
- MGB CD 6243: Die Kammersinfonie op. 27 und das Klavierquintett op. 33,
gespielt von Mitgliedern des Tonhalle-Orchesters
- MGB CD 6244: Die beiden Klavierquartette mit dem Berliner Philharmonischen
Quartett
sind nun erschienen (alle bei 'Musiques Suisses' [Produzent ist der Bündner
Bariton Claudio Danuser]) ... und allesamt ein grosser Hörgenuss!
Ich wurde am 16. November 2006 sogar offiziell, im Rahmen eines Lunch-Konzertes
in der Tonhalle, eingeladen zur CD-Taufe der Juon-Quartette.
c) Nachdem in Deutschland schon seit einiger Zeit ein 'Juon-Trio' existiert (dessen Musiker auch Mitglieder der IJG sind), haben vor kurzem junge Musiker in Bayern die Gründung eines 'Paul Juon Trio' bekanntgegeben. Mit dem Trio a-moll, op. 17 nehmen sie an Kammermusik-Wettbewerben teil.
d) Zu einer lebendigen Juon-Musikpflege zähle ich aber auch, wenn ich
erfahre, dass ein nun nicht mehr ganz so junger Hobbymusiker, der schon von
Juon ge-schwärmt hat, als er noch Mitglied eines Jugendorchesters war,
heute noch extra zu Konzerten anreist, an denen Juon gespielt wird.
Oder auch dies: Als spontane Reaktion auf einen Hinweis im letzten Mitteilungsblatt
erhielt ich von Luzius Gartmann, dem Cellisten, der damals an der ersten GV
in Chur im Juni 2000 das 'Märchen', op. 8 gespielt hat, folgende Zuschrift:
'...Lieber Ueli, vielen Dank für das wie immer interessante Mitteilungsblatt!
Ein Wort zu der von dir erwähnten alten Aufnahme der Miniaturen: Der Name
'Joseph Schuster', bei welchem du einen Interpreten vermutetest, gehört
dem Cellisten der Aufnahme, er war einer der weltbesten Cellisten in der 1.
Hälfte des 20. Jahrhunderts, bereits mit 17 (!) Jahren Solocellist der
Berliner Philharmoniker; emigrierte dann 1934 nach Amerika, wo er eine brillante
Karriere einschlug, aber dem 'normalen' Publikum heutzutage nicht mehr bekannt
ist, da er etwas im Schatten von Feuermann und Piatigorsky stand. Bestimmt aber
eine interessante Aufnahme!...'
Die Tschaikowsky-Gesellschaft (vgl. den Link www.tschaikowsky-gesellschaft.de auf unserer Homepage) und die IJG haben auf den 1. Januar 2007 eine gegenseitige Mitgliedschaft vereinbart mit dem Ziel des Austausches. Wir erhoffen uns daraus Synergien. Wie Sie wissen, bestehen enge Verbindungen zwischen den beiden. So hat P. Juon z. B. Modest Tschaikowskys Dokumentenbiographie seines Bruders übersetzt.
Als Mitglied des Mozart Ensembles Luzern unter A. Koch hatte ich im November
in der Philharmonie Berlin ein Konzert (Mozart's Jugendoper 'Ascanio in Alba').
Es wirkten auch einige Musiker der UdK (Universität der Künste, Berlin)
mit. Darunter war - Zufälle gibt’s! - auch ein Herr H. Wehmeyer.
Er ist derjenige, der damals im Auftrag von Prof. Cadenbach nach Hinweisen auf
Juon in der Berliner Presse in den ersten Dezennien des 20. Jahrhunderts fahndete,
der Zeit also, in der Juon in Berlin lehrte.
Vielleicht erinnern Sie sich: Die IJG unterstützte 2002/2003 ein Juon-Projekt
in Berlin (Musik und wissenschaftliche Forschung mit dem erwähnten Fokus).
Das Ergebnis war für Lausanne 2004 versprochen worden. Nach langer Unsicherheit
scheint nun der Durchbruch geschafft! Wir haben uns vor dem Konzert zu dritt
getroffen (Prof. Cadenbach, Herr Weymeyer und ich), ich konnte auch alles einsehen,
was schon existiert - und das ist einiges!
Herr Wehmeyer, von dem ich einen ausgezeichneten Eindruck habe, wird nach Abschluss
seiner Diplomprüfungen im März, im April 2007 die vorliegenden Unterlagen
in eine für uns wie für die UdK praktikable Form zu bringen, mit Herrn
Cadenbachs Unterstützung. - Darüber hinaus hat H. W. angeboten, seine
Arbeit in einem kurzen Vortrag der IJG vorzustellen. Ich habe natürlich
begeistert zugesagt. Passender Rahmen wäre die geplante 'grosse' GV im
Jahre 2008, im Zusammenhang mit der Churer Juon-Ausstellung.
Der letzte Punkt, von dem ich erzählen möchte, liest sich schon beinahe wie ein Krimi. Der IJG wurden 32 autographe Postkarten von Paul Juon an seinen Verleger Robert Lienau (sowie 6 weitere aus seinem Umfeld) zum Erwerb angeboten. Dies ist sicher für die Ziele der IJG eine sehr wichtige und sinnvolle Anschaffung, und die Postkarten enthalten tatsächlich eine unendliche Fülle auch kulturhistorisch interessanter Informationen. Die erste finanzielle Forderung dafür schien mir - na, wie soll ich sagen - sehr phantasievoll und für die IJG ausser Reichweite. Aber ich habe aus der Geschichte auch gelernt, dass der Spielraum in diesem Metier sehr gross ist. Geduldiges Verhandeln und überhaupt Geduld von beiden Seiten führte dann weiter. Dank grossen Beiträgen von zwei Sponsoren, der BCU in Lausanne und dem Robert Lienau Musikverlag in Frankfurt und einem unterdessen realistischen Preis liess sich dann der Handel bewerkstelligen. Ich holte die Postkarten persönlich ab und brachte sie in die Obhut der BCU, wo sie nun Interessenten zugänglich sind.
"Wenn wir einander mit Musik berühren, berührt einer des anderen
Herz, Ver-stand und Seele, alles auf einmal."
Leonard Bernstein