| Mitteilungsblätter |
Nummer 22
10. Februar 2009
Liebe Juon-Freunde
Ich habe einmal den Vorsatz gefasst, dass die IJG-Mitteilungsblätter nicht mehr als vier Seiten umfassen sollten.
Nun möchte ich Sie aber über so viele spannende Dinge informieren, dass das den Rahmen, den ich mir selbst gesetzt habe, ganz einfach sprengt.
Sicher haben Sie dafür Verständnis erfreuen sich stattdessen an der Lektüre in bunt gemischter Abfolge, lassen sich mitreissen und begeistern von all dem, was sich rund um Paul Juon tut.
Mit herzlichen Grüssen, Ihr
Vor Jahren, ich habe darüber berichtet, erhielt ich eine Anfrage eines gewissen Mr. Maltese, die Identifikation Juon'scher Musik betreffend.
Die Sache rückte dann für mich etwas in den Hintergrund. Und nun, genau am Dreikönigstag, erhielt ich zuhanden der IJG hochinteressante Post aus der neuen Welt: 'The Dawn of Recording' (The Julius Block Cylinders), eine sensationelle Dokumentation auf 3 CD's mit einem umfassenden, genauestens recherchierten und höchst informativen Booklet, das schon fast ein 'Book' ist.
Der Unternehmer Julius Block, geb. 1858, der gerne Musiker geworden wäre, war fasziniert von der Erfindung des 'Phonographen' durch Th. A. Edison, der erstmals die Aufzeichnung von Schall (Musik, Wort) ermöglichte. Er fuhr von Russland, wo er lebte, zu Edison nach New Jersey und liess sich das Gerät von ihm vorführen. Er nahm eine solche Maschine zurück nach Russland und demonstrierte sie Zar Alexander III. Das war der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Ab 1889 (!) konnte Block die namhaftesten Musiker seiner Zeit begeistern, ihre Kunst auf seinen Zylindern festhalten zu lassen.
Es sind dies wohl von den frühesten erhaltenen Tondokumenten überhaupt! Die über 200 Zylinder haben eine äusserst bewegte Geschichte hinter sich, galten zeitweilig als verschollen und haben zwei Weltkriege überlebt. 2002 endlich konnten viele von ihnen im Puschkin-Haus in St. Petersburg sichergestellt werden. John und John A. Maltese mit ihrer Forschungsgruppe haben sie in 6-jähriger Arbeit ausgewertet. 2008 schliesslich haben Ward Marston und sein Team diese einmaligen Dokumente auf CD produziert. Zu diesem grossartigen Werk (in der Schweiz beim Vertrieb 'Musikvertrieb' bestellbar: Label Marston, EAN/UPC 0638335301129, Art. Nr. 530112) können wir nur gratulieren und uns bedanken!
Unter den Interpreten der 91 Musikausschnitte für Klavier, andere Instrumente und Gesang sind viele berühmte Musiker zu finden, u.a. Juons Klavier- und Kompositionslehrer Taneyev und Arensky sowie sein Geigenlehrer Hrímaly; aber auch Heifetz (als 11-Jähriger!), Press, Nikisch und viele andere.
Paul Juon selbst ist nicht weniger als sechs Mal vertreten:
a) als Pianist eigener Werke (Aufnahmen von ihm als Geiger, der er ja auch war,
scheinen leider keine zu existieren):
b) als Pianist:
c) als Komponist:
Natürlich hören wir, dass es damals bei weitem noch nicht möglich war, ein Klangspektrum wie heute einzufangen, doch tut das der Bedeutung dieser Tondokumente keinerlei Abbruch. Auch das Rumpeln des sich drehenden Zylinders etwa nehmen wir gerne in Kauf. (Und schliesslich ist es viel weniger lange her - CDs in DDD-Qualität ohne Nebengeräusche und die gute alte Schallplatte waren noch nebeneinander in Gebrauch - dass ein Musiklehrer, wohl mit heimlichem Schmunzeln, seinen GymnasiastInnen im Unterricht eine, musikalisch sicher hochkarätige, aber eben Schallplatte auflegte mit der Bemerkung, dass sie nun einen Ausschnitt hören würden von 'Mozart am Kaminfeuer' ...)
Unsere Gesellschaft führt in ihrem Namen das Wort 'international' - wie ich meine zu Recht. Meine mail-Korrepondenz belegt das, denn Anfragen und Anregungen aller Art kommen zu einem schönen Teil aus dem europäischen Ausland, aber auch aus den USA, Südamerika, Japan etc. Und meist beziehen sie sich auf Informationen unserer Homepage. (Nur - ein Wermutstropfen - die Entwicklung des Mitgliederbestandes hält da nicht mit...)
In einer zweiten, umfangreichen Erweiterung und Revision unserer Homepage habe ich deshalb die einzelnen Kapitel weitgehend auf Dreisprachigkeit ausgebaut, mindestens so weit mir dies sinnvoll erschien. An dieser Stelle bedanke ich mich bei Kolleginnen und Kollegen, die mir - sprachlich kompetenter als ich - dabei geholfen haben, allen voran bei Rita Bührer, sowie für den technischen Teil bei Peter Andritsch, unserem Webmaster.
Dabei wurden auch etliche Fehler ausgemerzt. (Und sollten Sie noch solche feststellen, dann melden Sie sie mir bitte, danke.)
Neugierige Frage: Wann haben Sie das letzte Mal (auf deutsch, englisch oder französisch J) in unserer permanent aktualisierten, informativen und auf Hochglanz polierten 'neuen' Homepage <www.juon.org> gestöbert?
Nächstens wird auf der Homepage unter 'Bibliografie' nachstehende Liste zu finden sein. Im Jahre 2008 hat die IJG die Nummern 3 und 6 davon auf Auktionen erworben. Alle diese Dokumente habe ich nach Lausanne in die BCU gebracht, damit sie der wissenschaftlichen Forschung zugänglich sind.
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Hélène Calef, ein Gründungsmitglied unserer Gesellschaft, letzten Herbst gestorben ist. Sie hatte persönliche Kontakte zu Aja Erguine, Juon's jüngster Tochter. Einige von Ihnen erinnern sich, dass sie auch zu den Interpretinnen am 'Journée Paul Juon' in Lausanne 2004 gehört hat.
Die hochbegabte Pianistin wurde schon als junge Musikerin mit vielen Preisen ausgezeichnet und war auch musikwissenschaftlich tätig, bevor sie sich dann ausschliesslich ihrer pianistischen Karriere widmete.
Sie war zunächst Gründerin des 'Trio Calane'. Die aber in Ihrem Leben wohl wichtigsten und erfolgreichsten Kammermusikformationen, die sie gründete, waren 1991 das 'Trio Jean-Françaix' (Klavier, Klarinette und alternativ Viola oder Violoncello) und 1997 ein Klavierduo (Piano à quatre mains), zusammen mit dem Komponisten und Pianisten François Bou.
Auf ihrer nie nachlassenden, neugierigen Suche stiess sie eines Tages auf die Werke von Paul Juon, und sie war - man darf sie sicher als eine Anwältin von Juon bezeichnen - die erste Musikerin, die Kammermusik von ihm in Frankreich auf CD eingespielt hat. Diese Neugier der gesuchten Pianistin und Pädagogin zeigte sich auch mit dem Experiment 'Les Octambules', einem ungewöhnlichen Ensemble 'de piano à huit mains'.
Die IJG gedenkt Frau Calef als einer engagierten Förderin der Musik Juons.
Und gerne übernehme ich den Satz aus den Angaben, die mir Herr Michel Calef für diesen Nachruf zur Verfügung gestellt hat: "...Le jeu d’Hélène Calef rayonnait l’élégance et la beauté..."
Das Werk wurde nach seiner Entstehung 1903 in ganz Europa, aber auch in Boston und New York gespielt. Massgeblich aufgrund dieses Erfolges berief der Geiger, Widmungsträger und Solist der Uraufführung des Brahms-Violinkonzertes, Joseph Joachim, Juon 1906 als Dozent an die (heutige) 'Universität der Künste' in Berlin.
Es ist der Initiative des Dirigenten Christof Escher - auch ihn wage ich als 'Juon-Anwalt' zu bezeichnen - zu verdanken, dass dieses gross besetzte, zu Unrecht fast nie mehr gespielte, rund 40-minütige Werk eine schwungvolle, gut durchhörbare Aufführung in der Tonhalle Zürich erlebte, unter seiner Leitung und mit den Musikerinnen und Musikern des 'Symphonischen Orchesters Zürich' (SOZ).
Das Werk, in welchem der Komponist auch formal von den bekannten Pfaden abweicht, war der Schlusspunkt eines Programms 'Von Russland in die Schweiz'. Zu Beginn waren zwei Etüden für Orchester zu hören: Ritmica funebre und Ritmica scherzosa von Wladimir Vogel, Sohn deutsch-russischer Eltern und hierzulande untrennbar mit dem Kammersprechchor Zürich unter Ellen Widmann verbunden. In der Mitte des Konzertes spielte der junge Tibor Varga-Preisträger Slava Chestiglazov auf souveräne Art das Brahms-Violinkonzert, ebenso zupackend wie entspannt. Mir sind - auch im Orchester - Klänge und Linien aufgefallen, die ich noch nie zuvor gehört habe.
Walter Labhart hielt auf Wunsch des Dirigenten eine kompetente Einführung zu diesem Abend, in der er beispielsweise auf Parallelen zwischen Vogel und Juon hinwies.
Wunschtraum: Es wäre eine phantastische Vorstellung, wenn es gelänge, weitere Orchesterwerke von Paul Juon zu neuem Leben zu erwecken, ich denke etwa an seine andere Sinfonie op. 10, an die 'Rhapsodische Sinfonie' op. 95 oder an die Suite in 5 Sätzen op. 93.
Als aufmerksamen Leserinnen und Lesern ist es Ihnen nicht entgangen, dass es im gleichnamigen Titel des letzten Mitteilungsblattes noch hiess: ... 2009/2010. Hinter dieser Änderung versteckt sich eine - zum Glück nur kleine und vorübergehende - Hiobsbotschaft.
Doch zuerst das Positive: Die Vorbereitungen laufen, d.h. Herr Labhart, der Ausstellungsmacher und Frau Schenk, unsere Grafikerin, sind an der Arbeit. Das gilt auch für mich, der ich mich als 'Zulieferer' verstehe sowie als Koordinator in gewissen Belangen. An Sitzungen haben wir weitere Details festgelegt.
Zum Glück steht vor allem auch Herr Dr. Georg Jaeger, der Geschäftsführer von VBK/ikg, unter dessen Schirmherrschaft die Ausstellung stattfinden wird, voll hinter unserem Projekt und treibt es vorwärts. Dies ist nicht selbstverständlich, denn er wird im Sommer 2009 pensioniert und ich danke ihm sehr für sein grosses und hartnäckiges Engagement. Auch aus persönlichem Interesse wird er unser Projekt noch bis zum Abschluss betreuen.
Wie er mir vor kurzem mitteilen musste, sieht sich der VBK aus Gründen des Budgets leider gezwungen, die Eröffnung der Ausstellung um einige Monate zu verschieben in die erste Hälfte des Jahres 2010 hinein. Eine weitere Station (in einem Tourismus-Gebiet) folgt dann im Sommer des gleichen Jahres.
Ich bitte Sie auch meinerseits um Verständnis für diese Verschiebung, die zum Glück nur eine zeitliche ist und nicht an der Sache etwas ändert
... und - siehe nächstes Kapitel - ich bin auch froh um das kleine Polster, das sich die IJG im letzten Jahr 'anfressen' konnte. Wir werden es für die Ausstellung brauchen können.
Ich habe im Jahre 2008 lückenlos von allen Mitgliedern den Jahresbeitrag bekommen.
Das zeichnet vor allem Sie als Mitglieder aus, es ermöglicht mir aber auch, meine Arbeit für 'unseren' Paul Juon weiterzuführen und ich betrachte es als Wertschätzung. Herzlichen Dank.
Auszug aus dem Revisionsbericht unseres Revisors, Herrn G. Wick:
Ich habe die Buchhaltung der Internationalen Juon Gesellschaft des Jahres 2008 (abgeschlossen per 31. 12. 2008) geprüft und in allen Punkten in Ordnung befunden.
Ich beantrage deshalb, dem Kassier Décharge zu erteilen.
Sie weist per 31. Dezember 2008 aus:
Gesellschaftsvermögen am 31. 12. 2008 CHF 16'962.10
(Zunahme im Jahre 2008 + 1'696.70)
(gez. Georg Wick)
Natürlich finden die Mitglieder wiederum den Einzahlungsschein beigelegt für die Erneuerung der Mitgliedschaft (mit Statusangabe [E = Einzelmitglied, P = Paarmitglied, K = Kollektivmitglied) und ich erlaube mir ebenso wieder, Ihnen mit gleicher Post gerade die Zahlungsbestätigung zukommen zu lassen, mit dem Sie Ihren Beitrag beim Steueramt als Zuwendung deklarieren dürfen.
Ich bitte Sie, der IJG weiterhin die Treue zu halten und nicht zu vergessen, bis Ende März einzuzahlen, aber bitte nicht am Schalter, da uns das zu hohe und vor allem unnötige Kosten verursacht. Danke.
Bei Einzahlungen aus dem Ausland:
BIC oder SWIFT: POFICHBEXXX
Clearing: 9000
IBAN: CH70 0900 0000 9011 8805 6
Per 1. Januar 2009 zählt die IJG in 4 Gruppen 47 Personen (sowie diejenigen, die hinter den vier Institutionen stehen); nämlich 36 Einzel-, 5 Paar-, 4 Kollektiv-/Institutionsmitglieder, 1 Ehrenmitglied.
Mutationen im Jahre 2008: 1 Einzelmitglied ist neu eingetreten, 2 Einzelmitglieder werden neu als Paarmitglied geführt, das einzige Studentenmitglied hat sich verabschiedet und 3 langjährige Mitglieder sind gestorben.
Gegen Ende letzten Jahres führte die Universität Fribourg im Rahmen einer Studie eine umfangreiche Umfrage unter den sog. NGO's durch, Vereinigungen also, die ihre Aufgaben unabhängig von Behörden wahrnehmen. Auch die IJG wurde dabei angeschrieben. Ich habe mich an dieser Umfrage beteiligt, welche vollständig anonym durchgeführt wurde.
Wesentliche Fragengruppen waren dabei:
- Welcher Art ist der Verein?
- Wie viele Personen machen wirklich die anfallende Arbeit?
- Was haben diese für einen Status?
- Wie viel arbeiten sie?
- Werden sie entschädigt? Wenn ja, wie und wie hoch?
- Wie läuft die Finanzierung? (auch Rückstellungen, ggf. Immobilien etc.)
Sollte ich dereinst irgendwelche Ergebnisse dieser Umfrage erhalten, so würde ich Sie darüber orientieren.