Mitteilungsblätter


Nummer 25

3. Februar 2010


Liebe Juon-Freunde

Ganz klar, ich möchte Ihnen in dieser Nummer hauptsächlich erzählen vom Gelingen unserer Ausstellung 'Paul Juon, Bündner Komponist aus Moskau - Spät geboren, früh vergessen, neu entdeckt'; von der Neuauflage von Thomas Badrutt's Monografie und von den beiden Annexveranstaltungen.

Doch wird trotzdem weder der Kurzbericht von der General-/Mitgliederversammlung 2010 fehlen noch das traditionelle Kapitel 'Begebenheiten aus dem Leben der Int. Juon Gesellschaft'.

Bei allen Teilen freue ich mich, wenn diese für Sie zu einer gewinnbringenden Lektüre werden und grüsse Sie herzlich, Ihr


PS: Und dann gibt’s für die Mitglieder noch eine Überraschung...

 

Mitglieder-/Generalversammlung 2010

Die Mitgliederversammlung der IJG 2010 fand am 8. April im Rätischen Museum in Chur statt, vorgängig der Ausstellungsvernissage und zusammenfallend mit meinem 10-jäh-rigen 'Jubiläum' als Geschäftsführer. Anwesend waren 11 Mitglieder. Einerseits mag das 'ein kleiner Haufen' sein, andrerseits repräsentieren diese Personen immerhin fast 25 % der Mitglieder, was denn doch gar nicht so schlecht ist für eine so weit verstreut wohnende Gesellschaft.
Es gab weder strittige Punkte noch kaum Fragen, so dass die Versammlung - nach problemlosen Abstimmungen - nach einer knappen halben Stunde beendet war. - So blieb, zwischen GV und Vernissage, Zeit für persönliche Kontaktnahmen und Gespräche, ein wichtiger Teil einer solchen Versammlung.
Wichtigster Beschluss sind die Änderungen im Vorstand: Margrit Badrutt und Reto Willy traten zurück. Ich dankte beiden für ihre Arbeit und konnte ihnen, nebst einem Präsent, je ein Exemplar der druckfrischen Monografie schenken. Neu gewählt wurde Henning Wehmeyer. Damit besteht der Vorstand zurzeit aus der laut Statuten möglichen Mindestanzahl von drei Personen.
Ausstellungs-Vernissage und Präsentation der Neuauflage der Monografie

Um 17.30 Uhr am 8. April 2010 ist es endlich soweit: Unsere Ausstellung wird in der Stadtgalerie Chur eröffnet - erfreulich viele interessierte Besucher sind gekommen. (Sie wurde bis am 3. Juni 2010 gezeigt).
Die Gäste lauschen zuerst den Grussworten der 'Hausherrin', Doris Hold (Kulturbeauftragte der Stadt Chur) und denen von Dr. Marius Risi, dem neuen Leiter des ikg, der auch mitteilt, dass Walter Labhart, unser Ausstellungsmacher, nicht anwesend sein kann. Danach erklingt Musik, natürlich von Juon: Das Bläserquintett der Kammerphilharmonie Graubünden spielt den 1. Satz des Quintetts op. 84. Die beiden andern Sätze folgen im Laufe des Anlasses, wobei man während der lebendigen Interpretation einmal mehr gewahr wird, wie souverän, frisch, aber auch 'frech' der Komponist mit der Harmonik spielt.
Der Geschäftsführer, also ich J, präsentiert nun zuerst die gelungene Neuauflage von Thomas Badrutts Monografie 'Paul Juon - Leben und Werk' mit ihren Erweiterungen und Aktualisierungen. Das Buch wurde gemeinsam vom Institut für Kulturforschung Graubünden ikg und der IJG herausgegeben und findet bestimmt das rege Interesse von Musikinteressierten, Bibliotheken etc. Bestellungen sind über <www.juon.org> möglich. Das Buch kann übrigens während einer gewissen Zeit auch in einigen wichtigen Musikhäusern in Zürich, Basel, Bern und Chur direkt bezogen werden.
Anschliessend zeichnet der Geschäftsführer nicht nur die Entstehung der Ausstellung kurz nach (in Chur sind zusätzlich zu den 15 grossen und 4 kleinen Tafeln auch 4 Vitrinen mit Exponaten ausgestellt) und überbringt die Botschaft von Walter Labhart, sondern dankt auch Dr. Georg Jäger, dem ehemaligen Leiter des ikg, der über seine Pensionierung hinaus unbeirrt die Realisierung der Ausstellung vorangetrieben hat und der Grafikerin Sonja Schenk, die Labharts Ideen, die Exponate aus seiner unglaublich reichhaltigen Dokumentationsbibliothek und das Konzept auf überzeugende Weise grafisch umgesetzt hat. Auch die Umschlaggestaltung der Monografie verdanken wir ihr.
Georg Jäger stellt die Ausstellung in den kulturgeschichtlichen Zusammenhang und gibt Hinweise darauf, wie die Ausstellung zu 'lesen' ist: Zusammenfassende grafische Leitsymbole, vor allem aber eine Hierarchisierung des Textes, die sowohl dem eiligen Besucher Grundinformationen liefert wie auch den mehr Interessierten tiefer in die Materie eindringen lässt. Mit dem Studieren der Ausstellung, einem Apéro und Gesprächen geht diese Vernissage, für die ich viele gute Echos erhalten habe, zu Ende.
Ich danke dem ikg, dass es uns die Tafeln nach Abschluss der Ausstellung zur Verfügung stellt. Bereits laufen intensive Vorbereitungen, sie auch an andern Orten im In- und Ausland zu zeigen. Ich werde darüber berichten.
Und sicher ist es Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die Ausstellungstafeln längst auf dem Internet studiert werden können unter <www.juon.org> à Ausstellung ausleihen (nur in der deutschen Version abrufbar). Ausleihen können? Ja, das ist im Mai dieses Jahres bereits ein erstes Mal geschehen (Aarau und Klosterkirche Königsfelden).
Und sollten Sie Zugang zu potenziellen Ausstellern haben oder ein Konzert mit Juon-Werken organisieren, dann ist unsere kleine und mobile Ausstellung eine ideale Ergänzung - wir leihen sie gerne aus. Sie lässt sich leicht z. B. in einem Konzertfoyer aufbauen oder, etwa in einem Museum, auch gut mit andern Themen kombinieren. Unter dem erwähnten Stichwort finden Sie alle notwendigen Details. (à Bitte weitersagen...)

 

Zusatzveranstaltungen zur Ausstellung: Konzert und Vortrag

a) Nochmals: Was wäre eine Juon-Ausstellung ohne Musik? Wir haben auf den 2. Mai 2010 das Berner Kammerensemble BKE (Bläserquintett und Klavier) nach Chur in die Postremise engagiert. Die Musikerinnen und Musiker boten einem erfreulich zahlreichen Publikum ein begeisterndes Konzert. Im Zentrum standen 3 Juon-Werke, wovon eines besondere Erwähnung verdient: Just auf Ausstellungsbeginn hat der Lienau-Verlag (schon zu Lebzeiten Juons sein Hauptverleger) die 2 Stücke für Klarinette und Klavier, op. 25 erstmals im Druck herausgegeben. Thomas Kocher, Klarinette und Miriam Lätsch, Klavier hatten die Ehre, diese Musik nun in einer sehr gelungenen, schwungvollen Interpretation als Schweizer Erstaufführung vorzustellen. Die weiteren Werke waren eine Auswahl aus den Sechs Klavierstücken op. 12 und das Divertimento (Sextett), op. 51. Das Sextett von F. Poulenc und Alte ungarische Tänze für Bläserquintett von F. Farkas, die in einem Spannungsfeld zu unserem Komponisten stehen, erweiterten den musikalischen Horizont und erlaubten spannende Vergleiche. Das BKE mit den weiteren Mitgliedern Livia Bergamin, Flöte; Martin Stöckli, Oboe; Kathrin Williner, Horn und Monika Schneider, Fagott bringen dieses oder ein ähnliches Pogramm gerne auch an andern Orten zu Gehör. Ihr nun schon zweites Churer Konzert ist eine ganz ausgezeichnete Referenz dafür!

b) Eine sehr kleine, sozusagen handverlesene Schar von umso interessierteren Zuhörerinnen und Zuhörern folgte dann am 18. Mai den Ausführungen des Musikwissenschaftlers Henning Wehmeyer. Der junge Juon-Forscher, der an der selben Universität der Künste studierte, an der Paul Juon fast 30 Jahre lang lehrte, führte uns in seinem Vortrag 'Akustische Grenzerfahrungen - Der pädagogische Komponist Paul Juon in Berlin' an Juons Wohn- und Wirkungsstätten. Es war aber nicht einfach ein harmloser Stadtrundgang - Wehmeyer gelang es, ausgehend von seinen Thesen, seine Zuhörer am Schluss in eine spannende Diskussion zu verwickeln.
Den Inhalt seines Vortrages können Sie nachlesen unter www.juon.org à Diverse Texte und auch er steht als Referent zur Verfügung.

 

Begebenheiten aus dem Leben der Int. Juon Gesellschaft

a) Der aktive Lienau-Verlag hat schon die nächste Juon-Ausgabe aufgegleist, für ungefähr 2011: Der renommierte Klarinettist Hans-Dietrich Klaus wird die sog. Trio-Miniaturen, op. 18/24, das wohl meistgespielte Werk Juons, für die Neuherausgabe vorbereiten. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, denn es gibt mehrere Fassungen für verschiedene Instrumente, aber beispielsweise noch keine Partitur, in der alle Varianten gezeigt werden. Auf unserer Homepage, unter 'Notenmaterial' können Sie sich orientieren, sobald das Werk erschienen ist.

b) Die Ausstellung und die neu herausgegebene Monografie haben noch eine andere, schöne Wirkung: Unsere kleine Gesellschaft ist in diesem Jahr um nicht weniger als vier Mitglieder gewachsen. Es sind aus ganz verschiedenen Gründen interessierte Einzelpersonen; aber auch - was mich sehr freut - als neues Kollektiv-Mitglied der Lienau-Verlag, den ich diesen Sommer in Frankfurt besuchte und wo ich sehr freundlich empfangen wurde.

c) Besondere Freude habe ich auch an (oft spontanen) Telefonanrufen oder mails, wo mir neue 'Mosaiksteine' mitgeteilt werden; aber auch an Briefen von Bekannten, Verwandten, Nachkommen von Paul Juon oder aus dessen Umfeld, die wertvolle Berichte, auch Fotos enthalten. Im Moment korrespondiere ich besonders intensiv mit einer russischen Musik-Doktorandin, die auch Mitglied der IJG geworden ist. Von ihr erhalte ich eine Menge (offenbar schwierig zu beschaffender) Informationen über Juons russische Zeit. Ihre Recherchen bestätigen, was zu ahnen war: Im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Maler Konstantin kennt man den Komponisten Juon in Russland kaum.
Herzlichen Dank für all diese Mitteilungen, sie lassen das Juon-Bild immer farbiger und detaillierter werden.

d) Herr Prof. Thomas Kohlhase hat mich in einer mail wie folgt über den Stand der Arbeiten an der von Juon übersetzten Tschaikowsky-Biografie orientiert, jener Edition, die im Schott-Verlag herauskommen wird und deren Schriftleiter er ist: "...Und im Oktober 2011 sollen beide Bände von Modest Tschaikowskys 'Das Leben Peter Iljitsch Tschaikowskys', deutsch von Paul Juon, Moskau und Leipzig 1900 und 1903, in einer Neuausgabe erscheinen, und zwar als Band 13/I und 13/II..."

e) Herr Miest, der die CD mit dem Juon-Streichquartett op. 29 in der Interpretation des Euler-Quartettes vertreibt (Label cantando, Nr. 9106), hat mich gebeten, mitzuteilen, dass diese CD nach wie vor erhältlich ist. Die Platte war in unserer Discografie fälschlicherweise als vergriffen markiert gewesen. Inzwischen habe ich diesen Eintrag richtig gestellt.

f) Durch die kontinuierliche Erhöhung der Posttaxen ist der Versand der Monografien schon lange nicht mehr selbsttragend. Ich muss deshalb auf 1. Oktober 2010 den Anteil für Verpackung und Porto moderat erhöhen, hingegen ändert der günstige Preis des Buches selbst von 32.- bzw. 47.- auch mit der Neuauflage nicht (Angaben in CHF).
                           Verp./Porto alt (CH/Ausland)  Verp./Porto neu         Totalpreis neu
Mitglieder                            8.- / 13.-                   11.- / 16.-                43.- / 48.-
Nichtmitglieder                    8.- / 13.-                   11.- / 16.-                58.- / 63.-

g) Die IJG wurde aus mir nicht bekannten Motiven bei ihrer Gründung ins kantonale Handelsregister eingetragen. Eine Massnahme, die nur gekostet hat, aber für uns keinerlei Vorteile bringt. Der Chef des Handelsregisteramtes hat mir sogar explizit zu einem Austritt geraten (!). Das ist unterdessen passiert. Eine Folge ist, dass - gültig ab 1. 7. 2010 - in § 3 unserer Statuten der erste Satz '...Der Verein ist im Handelsregister eingetragen...' gestrichen wurde.

h) Man bittet um Aufmerksamkeit...

Es steht mir keinesfalls zu, mit meinen Lesern zu 'schimpfen', aber eine ganz kleine Enttäuschung kann ich doch nicht verhehlen: Wie Sie (vielleicht) wissen, kann man seit einiger Zeit - gemäss strengen Auflagen der Post selbstverständlich - Briefmarken selbst herstellen. Für die letzte Nummer des Mitteilungsblattes (Nr. 24), die sämtliche Mitglieder und eine rechte Anzahl weiterer Leute auf Papier, also per Brief erhielten, habe ich spezielle Briefmarken gedruckt mit einem Portrait von Paul Juon - Tribut an das Ausstellungsjahr. Diese Aktion verpuffte leider völlig ins Leere - ich habe keine einzige Reaktion erhalten. L (Der Gerechtigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass nur Adressaten in der Schweiz in den Genuss eines Umschlages mit einer solchen Spezialmarke kamen.)

i) Und zum Schluss noch dies

Ich habe in geduldiger Handarbeit für die Mitglieder ein kleines Geschenk vorbereitet, das unbedingt zum 'Ausstellungsjahr 2010' gehört und dieser Aussendung beiliegt. Teil der Ausstellung ist nämlich auch eine CD, die in 12 Beispielen in einem tour d'horizon durch Juons Werke führt. Diese CD habe ich für Sie kopiert, samt Verzeichnis mit allen Angaben. Ich hoffe, Sie haben Freude daran und 'hören sich durch'. Einzig verkaufen dürfen Sie sie nicht, sonst wird's illegal... J
...und als kleiner Trost: Da ich die CD per Post versenden muss, erhalten Sie, falls Mitglied, nochmals eine Chance [siehe h); leider auch wieder nur für die Schweiz gültig].

 


 

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