Mitteilungsblätter


Nummer 31

1. Oktober 2013


Liebe Juon-Freunde

Wie schrieb ich doch einmal in einem Mitteilungsblatt, so oder ähnlich: '...die ungeraden Jahre sind 'interne', also solche, in denen die IJG kaum an die Öffentlichkeit tritt...'
Nun, zum Teil stimmt das:

In einem Punkt stimmt der erste Satz aber auch nicht, denn es gab diesen Sommer das Projekt 'migraziun' in St. Moritz, welchem eine kurze Rückblende gewidmet ist.

 

Gute Lektüre und herzliche Grüsse, Ihr


Neueinspielungen und Neuerscheinungen von Juon-Werken

a) Auch wenn diese CDs schon in unserer Discografie aufgeführt sind, erwähne ich sie gerne nochmals, denn sie sind ein lebendiges Zeichen der Juon-Rezeption.

1. Roswitha Killian, Viola und Fumiko Shiraga, Klavier haben die Bratschensonate, op. 15 [endlich ist dieses wunderschöne Werk wieder greifbar!] und ein Spätwerk, nämlich die Sonate op. 82 in der Viola-Fassung, die Romanze, op. 7a sowie die Trio-Miniaturen, op. 18/24 (diese zusammen mit dem Klarinettisten Rupert Wachter) eingespielt.
Drei dieser Werke erklangen diesen Sommer auch in St. Moritz [siehe Artikel unten] in einem begeisternden Konzert, in welchem die beiden Künstlerinnen als unglaublich ausgewogenes Duo zu bewundern waren.

2. Zuhörer waren auch Agnès Dubois-Chauvet und Igor Kraevsky. die im Engadin konzertiert, und - als weiteren Markstein ihrer intensiven Beschäftigung mit Juon - dieses Jahr die sehr hörenswerte Einspielung der Kleinen Suite, op. 16 und der Suite op. 68 'Aus alter Zeit' vorgelegt haben (Klavier 4-händig).

3. Eine weitere wunderschöne Juon CD mit dem Sextett c-moll, op. 22 und dem Quintett F-dur, op. 44 wurde eingespielt von den renommierten Musikern Oliver Triendl, Klavier, Thomas Grossenbacher, Violoncello und dem Carmina Quartett.

4. Sehnlich warten wir auf nun auf die Erscheinung der ersten Aufnahmen von Sinfonien und andern Orchesterwerken, also einer geplanten Gesamteinspielung der gross besetzten Werke durch den Dirigenten Christof Escher. Den Beginn werden die ersten beiden Sinfonien fis-moll, op. 10 und A-dur, op. 23 sowie die 'Vaegtervise', op. 31 (Wächterweise, Fantasie nach dänischen Volksliedern) machen mit dem Moscow Symphony Orchestra. Dazu kommt die Suite in 5 Sätzen, op. 93 mit dem Orchestra della Svizzera Italiana.
Das ist schon deshalb etwas ganz Besonderes, weil die 1. Sinfonie, op. 10 erst 1997 vom Enkel Paul Juons, Philippe, aufgefunden und von ihm der BCU übergeben wurde. Es ist das grosse Verdienst (und die riesige Arbeit!) Eschers, von der Partitur überhaupt zuerst einmal spielbares Notenmaterial hergestellt zu haben. So konnte diese Sinfonie, die nach ihrer Uraufführung 1896 in Kislowodsk in einen Dornrös-chenschlaf gesunken war, nach 117 Jahren auferweckt werden - sie wurde nämlich von ihm, zusammen mit dem 'orchestra giovane', im August 2013 erstmals wieder in 4 Konzerten in Bern, Brig und Zürich aufgeführt.

b) Darüber hinaus hat im Mai dieses Jahres in verdankenswerter Weise der aktive Lienau-Verlag den Reprint des ersten Klaviertrios a-moll, op. 17 herausgebracht.

c) Auch von einer ganz anderen Art Neuerscheinung gibt es zu berichten und dafür zu danken: Die IJG erhielt als Geschenk von Herrn Klaus Thiel ein besonderes Buch: Die revidierte, 2012 herausgekommene, nun zweisprachige Auflage eines Bildbandes über die polnische Festungsstadt Kostrzyn (deutscher Name: Küstrin).
Das Buch wurde erstmals 1932 aufgelegt zur 700-Jahrfeier der Stadt. Damaliger Herausgeber (und wohl auch Fotograf) war Ralf Juon, einer der Söhne Juons, der in Küstrin als Unteroffizier Dienst tat. Klaus Thiel, ein alter Küstriner, ging in ebenso mühe- wie verdienstvoller Forschung den Spuren Ralfs nach. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Herr Thiel als Knabe diesem Soldaten begegnet ist. Leider scheint es nicht gelungen zu sein, das Schicksal des dann im 2. Weltkrieg in Russland Gefallenen vollständig zu eruieren. Wir wissen ja, dass es dem Vater sehr nahe ging, dass sich seine beiden Söhne Ralf (aus 1. Ehe) und Rémi (aus 2. Ehe) im Krieg in feindlichen Armeen gegenüberstanden.
Und ich denke, dass ich verraten darf, dass Herrn Thiel, dem Herausgeber der neuen Ausgabe von 'Küstrin' für seine Forschungen und sein Buch das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen wurde!

 

Migraziun und Juon - ein Projekt in St. Moritz

Zusammen und mit grosser Unterstützung des Vereins für Kulturforschung Graubünden VKG realisierten wir - im Zusammenhang mit dem kulturellen Jahresthema 'migraziun' im Oberengadin - ein Projekt im Kulturhotel Laudinella in St. Moritz.
Die Eröffnungsveranstaltung am 11. August 2013 begann am Nachmittag mit einem Vortrag über Juon, den ich hielt. Wie weiter oben bereits erwähnt, boten dann am Abend Roswitha Killian, Viola und Fumiko Shiraga ein tolles Konzert mit drei Werken von Juon und einem von Schumann. Dieses war gleichzeitig die Taufe ihrer faszinierenden, brandneuen Juon-CD wie auch ihr Dozentenkonzert, denn die beiden Musikerinnen führten in der Laudinella einen einwöchigen Kammermusikkurs durch.
Dank einem Entgegenkommen des Hotels durften wir unsere Wanderausstellung in der Laudinella mit ihren vielen Gästen über die Kursdauer hinaus, bis Ende August zeigen - schön dass ich darüber mehrere positive Rückmeldungen erhielt.

 

Erste Vorschau 'Juoniade Zillis' 2014

2014, also im nächsten 'externen' Jahr, planen wir eine grosse Veranstaltung im Raum Zillis/Masein/Thusis, jener Gegend in Graubünden also, wo die Juons herkommen (der Grossvater Paul Juons war von Zillis aus 1830 ausgewandert, Paul selbst hatte sich 1922 von Masein sein Bürgerrecht bestätigen lassen).

 

Ab ca. Anfang 2014 sind Details abrufbar unter www.juon.org à Aktuelles.

 

Ich schliesse diesmal mit einer Gratulation. Sie geht ans Juon Trio, dessen Mitglieder teilweise auch unserer Gesellschaft angehören. Es feiert nämlich sein 20-jähriges Jubiläum und wir wünschen ihm weiterhin viel Freude und erfolgreiches Spielen!

 

Brief Wehmayer

 

 

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