Mitteilungsblätter


Nummer 35

1. Oktober 2015

Liebe Juon-Freunde

 Am 21. August jährte sich Juons Todestag zum 75. Male. Das macht dieses Mitteilungsblatt zwar nicht zur Jubiläumsausgabe, doch scheinen sich sonst zu meiner Freude Kreise zu schliessen:

Es gibt aber auch wichtiges Neues: Die IJG hat den Dirigenten Christof Escher in den Vorstand gewählt und das Kernprojekt Orchester Edition der IJG, welches er betreut, stabilisiert sich und nimmt mehr und mehr Fahrt auf.

Soweit die Inhaltsangabe der Hauptabschnitte dieses Mitteilungsblattes in Kurzform.
Ich wünsche Ihnen gute und spannende Lektüre, Ihr


***Einige wichtige Veranstaltungen der IJG an Lebensstationen Paul Juons

Festival Langenbruck, 28. - 31. Mai 2015

Vom 28. - 31. Mai fand in Langenbruck BL eine grosse Veranstaltung statt unter dem Titel 'Konzertfrühling Langenbruck 2015 - Paul Juon Festival zum 75. Todesjahr'.
Bekanntlich liegt Paul Juon in einem Familiengrab in Langenbruck begraben, zusammen mit seiner Frau und zweien seiner Töchter.
Ich kann es gleich vorweg nehmen: Für mich persönlich war diese letzte in der stattlichen Reihe solcher Veranstaltungen eine der erfreulichsten! Das begann schon damit, dass die Initiative dazu für einmal nicht von unserer Seite kam, sondern dass Leute aus der Gemeinde mit der Idee eines solchen Festivals auf mich zukamen. Und dann habe ich wohl noch nie bei einem Projekt so viel Goodwill, Hilfsbereitschaft und Unterstützung von allen Seiten, speziell auch aus der Gemeinde Langenbruck, erlebt.
Mit dem Musiker Paul Ragaz, einem kompetenten, rasch und zuverlässig arbeitenden Koordinator zusammenspannen zu können, war angenehm, meist sogar vergnüglich. Und der erfahrene und initiative Gemeindepräsident Hector Herzig, auch er Musiker, war u. a. dafür besorgt, dass das Ganze auf eine tragfähige finanzielle Grundlage gestellt werden konnte. Auch bei der Ausarbeitung des umfangreichen Programmheftes hatte ich viel Unterstützung. Und dies gilt erst recht während der eigentlichen Durchführung der Veranstaltungen.
So wurden in der ref. Kirche Langenbruck drei schöne, breit gefächerte und gut besuchte Konzerte geboten. Von Juon wurden wichtige Kammermusikwerke gespielt: Von den beiden Meister-Klaviertrios, op. 70 (Litaniae) und op. 83 (Legende) über Bläserwerke, nämlich Zwei Klarinetten-stücke op. 25, Arabesken op. 73, Bläserquintett op. 84 und Divertimento (Sextett) op. 51 bis zur Kammersinfonie op. 27a für acht Musiker. Dazu kam Musik von zweien seiner Schüler, aber auch Werke von Mozart, Schubert und Tansman, die in einer Beziehung zu unserem Komponisten stehen. Hochkarätige Musiker aus Bern und Basel bürgten für ausgezeichnete Darbietungen, die auch in der Presse ihren positiven Niederschlag fanden. Die Basler Ensembles wurden vom Cellisten David Lauri zusammengestellt, den ich auch als viertes Mitglied des Organisationskomitees namentlich erwähnen möchte.
Zusätzlich zu den Konzerten konnte ich am einen Abend vor wirklich interessiertem Publikum einen Vortrag über Juon halten.
In einem sehr geeigneten, grossen und hellen Raum einer ehemaligen Uhrenfabrik durfte die IJG auch wieder ihre Wanderausstellung zeigen. (Und da ich u.a. Aufsicht hielt, kann ich bestätigen, dass es einige Besucher gab, welche die reichhaltigen Informationen auf den 15 Tafeln bis ins Detail lasen und die Bilder studierten!)
So waren diese Tage, für die ich mich bei Bevölkerung und Behörden von Langenbruck sicher auch in Ihrem Namen herzlich bedanken möchte, nicht nur für die IJG und für die Verbreitung von Juons Werk schön und wichtig; sie waren gleichzeitig auch die erfolgreiche Startveranstaltung des neu gegründeten Vereins 'Kulturbruck', unter dessen Schirmherrschaft die Tage standen und dem wir weiterhin gutes Gedeihen wünschen.

...und die Reaktion eines Besuchers gebe ich hier gerne weiter: 'Lieber Herr Falett, nach dem gestrigen stimmungsvollen Musikerlebnis in der kleinen Kirche in Langenbruck und der Lektüre Ihres Skripts zum Vortrag vom vergangenen Freitag über Paul Juon, den ich leider verpasst habe, fühle ich mich mit der Musik und dem Leben Paul Juons so verbunden, dass ich mich gerne als Mitglied der Internationalen Juon Gesellschaft anmelde...'

 

 

Christof Escher als Vorstandsmitglied - 'Orchester Edition'

Wie im Editorial erwähnt, konnten wir diesen Sommer Christof Escher, den Dirigenten und Herausgeber der Orchesterwerke Juons, als viertes Mitglied in den Vorstand wählen. Zu dieser Wahl gratuliere ich ihm herzlich.
Durch die Wahl ist eine unkomplizierte Zusammenarbeit möglich mit ihm als verantwortlichem Leiter der 'Orchester Edition', kurz OE genannt. Sein ehrgeiziges Projekt läuft zwar selbstständig, steht aber trotzdem unter der Schirmherrschaft der IJG, ja darf als deren Kernprojekt bezeichnet werden, denn es entspricht genau den Zielsetzungen der Gesellschaft. Ich habe Ihnen im letzten Mitteilungsblatt das Projekt vorgestellt, nämlich - auf den kürzesten Nenner gebracht - bis zum 150. Geburtstag von Juon im Jahre 2022 das Material sämtlicher Orchesterwerke zu edieren und die Werke auf Tonträger zu bannen.

Chr. Escher berichtet in jedem Mitteilungsblatt kurz über den jeweiligen Stand und Fortschritt:

Von Juons 1894 entstandenem ersten Orchesterwerk, der Ballade für grosses Orchester 'Jngeborgs Klage' op. 3 [in der Monografie als 3a geführt], welches vermutlich am 2. August des selben Jahres (in Riga?) uraufgeführt wurde und am 6. März 1895 im Berliner Concert-Haus erklang, existierte bis anhin nur noch das Manuskript der Partitur. Im Rahmen meiner Arbeit an der OE habe ich das Werk ediert und konnte präzis am 75. Todestag des Komponisten die Neuausgabe fertigstellen.
'Jngeborgs Klage' aus der epischen Dichtung 'Frithiofs Saga' des schwedischen Dichters Esaias Teg-nér hat übrigens auch andere Komponisten inspiriert, u. a. B. H. Crusell und Max Bruch.

www.juon.org à 'Orchester Edition' sowie www.christof-escher.com

 

Begebenheiten aus dem Leben der Int. Juon Gesellschaft

 

a) Briefe betreffend Juon's Maseiner Bürgerrecht - digitalisierte Briefe über die BCU abrufbar

Im letzten Mitteilungsblatt habe ich Ihnen von jenen Briefen erzählt, mit denen Paul Juon und sein Bruder Eduard 1922 beim Maseiner Gemeindepräsidenten Luzi Giesch um die Bestätigung ihres Bürgerrechtes nachgesucht und diese auch erhalten haben. Wie Sie wissen, liegen die Originale dieser Briefe seit 2007 unter der Signatur B/N 984 im Staatsarchiv Chur. Wir haben sie digitalisieren lassen. Sie sind bei der BCU abruf- und speicherbar unter der [vorläufigen!] Adresse:

https://servalnv.unil.ch/notice/serval:PMUS_FD5F93391EC0. Dort 'Télécharger' anwählen

Sobald die definitive Adresse bekannt ist, werde ich Sie wieder informieren. Hingegen gebe ich Ihnen bei dieser Gelegenheit gerne einen Tipp weiter von Frau Monnier, der ebenso kompetenten wie hilfsbereiten Leiterin der 'archives musicales' der BCU in Lausanne: Die Schweizer National-
phonothek
unterhält an vielen Orten in Bibliotheken, Universitäten etc. sog. 'Hörplätze', offiziell 'AV-Arbeitsplätze' genannt, an denen digitalisierte Tondokumente angehört werden können. Folgender Link führt Sie ganz einfach an die richtige Stelle:

www.fonoteca.ch --> dort oben rechts in der Menuleiste 'AV-Arbeitsplätze' anwählen

b) Kulturhistorische Datenbank des Instituts für Kulturforschung Graubünden

Das Institut für Kulturforschung Graubünden ikg war schon immer ein wichtiger Partner der IJG. So wurde beispielsweise die Monografie von Thomas Badrutt 'Paul Juon - Leben und Werk' von beiden Institutionen gemeinsam herausgegeben. Auch unsere erfolgreiche, an vielen Orten gezeigte Wanderausstellung war ein gemeinsames Werk und konnte nur dank der finanziellen Unterstützung des ikg realisiert werden. Mit Herrn Dr. Risi, dem Leiter des ikg, konnte ich nun eine wichtige Vereinbarung treffen, für die ich sehr dankbar bin. Das Institut kreiert im Laufe des Jahres 2015 eine elektronische 'Kulturhistorische Datenbank', welche dann laufend ausgebaut wird. Sobald die www-Adresse bekannt ist, werde ich Sie darüber informieren. Wenn die IJG dereinst ihre Aufgabe erfüllt haben und nicht mehr aktiv sein wird, wird sie in dieser Datenbank ausgewähltes Material ablegen dürfen.

 

c) CD-Neueinspielungen von Juon-Werken

Erfreulicherweise gibt es wie immer von Neueinspielungen zu berichten. Auf unserer Homepage www.juon.org --> Discographie sind sie auch jeweils als solche gekennzeichnet.

Speziell hervorheben möchte ich die Ersteinspielung aller Werke für 2 Violinen und Klavier; die 'Silhouettes' op. 9 und op. 43 sowie '7 Kleine Tondichtungen' op. 81. Den ausgezeichneten jungen Solisten, Malwina Sosnowski und Rebekka Hartmann, Violine und Benyamin Nuss, Klavier, ist eine fantastische Einspielung gelungen, musikalisch wie aufnahmetechnisch. Für die bei Musiques Suisses, MGB 6284 erschienene CD konnte ich das ganze Booklet verfassen, nachdem ich bei andern Einspielungen schon unser Logo 'unterbringen' durfte. Damit konnte ein weiterer Wunsch/Auf-trag an den Vorstand erfüllt werden, welcher an der GV 2012 in Vevey diskutiert worden war.

Weitere Neuaufnahmen:

- Fabian Müller hat die Suite op. 89 (ursprünglich für Klaviertrio) transkribiert. In der spannenden
   Neueinspielung oder eigentlich Neukomposition interpretieren Kamilla Schatz, Violine, Pi-Chin
   Chien, Violoncello und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt unter Ruben Gazarian das
   Werk.

- Dann gibt es eine weitere Einspielung der Trio-Miniaturen op. 18/24 mit dem Trio Telepatico.

- Der Flötist Wolfgang Breinschmid und der Pianist Alexander Rössler haben die Flötensonate
   F-Dur, op. 78 neu eingespielt.

 

 

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