Mitteilungsblätter


Nummer 37

1. Oktober 2016

Liebe Juon-Freunde

Manchmal kommt es anders, als man denkt... Diesen Sommer kündigte Henning Wehmeyer seine Vorstandstätigkeit und Mitgliedschaft in der IJG sowie seine Zusammenarbeit mit uns bezüglich seiner geplanten Publikation. Das empfinde ich als Hiobsbotschaft und es fällt mir nicht leicht, mit diesem 'fait accompli' umzugehen.
Doch es gibt auch Positives zu berichten: Die sehr zahlreichen, spannenden und erfreulichen Artikel im bekannten Kapitel 'Begebenheiten', welche diesen Negativmeldungen nicht nur quantitativ, nämlich in der Anzahl Seiten dieses Mitteilungsblattes, sondern hoffentlich auch qualitativ die Waage halten oder sie gar übertreffen.
Und: Sie finden hier auch die Einladung zur diesjährigen Mitglieder-/Generalversammlung samt Beilagen. Ich danke den Mitgliedern jetzt schon für ihre zahlreiche Teilnahme.

Publikation 'Paul Juon – Moskau - Berlin - Vevey' (Henning Wehmeyer, Hrsg.)

Noch im letzten Mitteilungsblatt getraute ich mich zu schreiben "... Nun aber scheint es praktisch sicher, dass dieses Werk auf Anfang April 2016 definitiv vorliegt..."
Nach weiteren Verzögerungsmeldungen kündigte der Herausgeber überraschend am 3. August 2016 absolut einseitig und abrupt die Zusammenarbeit mit der IJG für diese Publikation (siehe auch nächsten Abschnitt). Die Gründe sind sehr undurchsichtig und auch mir bei weitem nicht alle bekannt und nachvollziehbar.
Als Präsident der IJG halte ich es persönlich klar für falsch, sinnwidrig und unklug, ein Werk mit diesem Fokus, von dem Teile auch im Zusammenhang mit unserer Gesellschaft (und - pardon - in der aufwändigen Zusammenarbeit mit mir persönlich) entstanden sind, von der IJG abzukoppeln!
Ich kann dieser Abkoppelung nach mehr als vier Jahren nichts (mehr) entgegensetzen. Sie hat u.a. auch zur Folge, dass die IJG ihre bedeutenden finanziellen Vorleistungen zurückfordern musste. Dies ist geschehen. Damit bleibt zum Glück wenigstens 'nur' noch, was H. Wehmeyer in seiner Trennungserklärung richtig schrieb: "...Sicherlich ist durch mein Handeln auch Schaden am Renommee der IJG entstanden. Dafür trage ich die Verantwortung!..."
Offenbar will H. Wehmeyer die Publikation weiterhin veröffentlichen. Dass ihm das dereinst vielleicht doch noch gelingen möge, wünsche ich ihm und hoffe ich für uns. Die Publikation wäre es Wert und es würde der Juon-Sache dienen. Wie die UdK, in deren Reihe das Buch herauskommen soll, zu diesem Alleingang steht, weiss ich nicht.
Sollte ich den Band einmal in Händen halten können, würde ich Sie darüber selbstverständlich und gerne informieren.

 

Dank an Henning Wehmeyer als Vorstandsmitglied und Verabschiedung

Herr Wehmeyer schreibt:
"Sehr geehrte Mitglieder der Internationalen Juon Gesellschaft, nach langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit für die Gesellschaft, habe ich am 3. August 2016 sowohl meinen Rücktritt als Mitglied des Vorstandes als auch den Austritt als Mitglied erklärt. Diese Rücktritte sind u.a. Konsequenzen der entstandenen Differenzen im Zusammenhang mit der bislang noch nicht veröffentlichten Publikation zu Paul Juons Leben und Wirken. Dieser Sammelband wurde seit 2012 von mir formell initiiert und inhaltlich konzeptioniert. Eine Veröffentlichung in der Schriftenreihe der Universität der Künste Berlin steht dabei weiterhin außer Frage."

Die angetönten Differenzen orte ich im Spannungsfeld zwischen meiner Loyalität ihm gegenüber (über Jahre wieder und wieder Verzögerungen zu akzeptieren, Zeit zu geben und Hilfen anzubieten; bei verschiedensten, nicht immer durchschaubaren Begründungen [technische Schwierigkeiten, einschneidende Ereignisse in seinem persönlichen Umfeld, Krankheit, etc.]) und meiner Loyalität der Gesellschaft gegenüber, wo ich als Präsident der IJG eben eine Verantwortung habe und nicht nur geduldig warten, sondern auch die Interessen der Gesellschaft und der Mitglieder vertreten muss, wenn mir z. B. vor jeder Juon-Veranstaltung (2014 Zillis, 2014 Bern, 2015 Langenbruck) glaubhaft in Aussicht gestellt wurde, dass die brandneue Publikation angeboten werden könne, etc.

Lieber Henning, Du hast seit 2007 im Vorstand der IJG ehrenamtlich (wie wir andern übrigens auch) mitgearbeitet. Vor allem in den ersten Jahren hast Du uns vor allem auch durch Dein musikwissenschaftliches Wissen allgemein und über Juon speziell viele Probleme lösen geholfen. Wertvoll war auch Dein strukturiertes, kritisches Denken mit den daraus folgenden Schlüssen für eine Zukunft der IJG. Höhepunkt unserer Zusammenarbeit war die grosse Veranstaltung in Berlin 2012, die ohne Dich gar nicht möglich gewesen wäre, da Du vor Ort warst und die Udk von innen kanntest, zuerst als Student, später als Dozent. In diesen Jahren entstand eine persönliche Freundschaft zwischen uns. Schon 2011, in der Vorbereitungsphase des Berliner Anlasses brachtest Du auch die Idee zur Publikation auf. Später konzentriertest Du Deine Aufgabe im Vorstand mehr und mehr auf die Arbeit an dieser, welche ich - neben dem Projekt Orchester Edition - als einen Kernpunkt unserer Arbeit sah.
In letzter Zeit empfand ich, dass Du Dich stärker zurückzogst. Nun trennen sich unsere Wege. Ich danke Dir für Deine jahrelange Arbeit im Vorstand der IJG und wünsche Dir und Deiner Familie Gesundheit und auch beruflich viel Erfolg und Erfüllung.
Ueli

 

 

Mitglieder-/Generalversammlung 2016 (schriftlich, bzw. elektronisch durchgeführt)

Gleichzeitig mit dem Mitteilungsblatt 37 laden wir die Mitglieder der IJG zur Teilnahme an der diesjährigen Mitglieder-/Generalversammlung ein.
Laut unseren Statuten hat sie alle zwei Jahre stattzufinden, wobei den Mitgliedern gemäss § 5 obligatorisch der Tätigkeitsbericht und die Rechnung zur Genehmigung vorgelegt werden müssen im verflossenen Zeitabschnitt seit der letzten Mitgliederversammlung, also seit dem 22. Juni 2014. Zum zweiten Mal (nach 2006) führen wir diese schriftlich, bzw. elektronisch durch.
Als Mitglied finden Sie beiliegend den Tätigkeitsbericht und auf der Rückseite die Rechnungsauszüge der Jahre 2014 und 2015 sowie das Abstimmungsformular.
à Den mail-Empfängern habe ich diese Unterlagen als Anhänge zum Herunterladen beigelegt.

Ich danke Ihnen jetzt schon für Ihre Teilnahme und freue mich auf ein grosses Echo. Bitte senden Sie Ihre Antworten bis Ende Oktober an mich zurück.

 

Schwerpunkt Orchester Edition

Wie Sie wissen, erarbeitet der Vorstand zurzeit Förderungsmöglichkeiten des Schwerpunktprojektes 'Orchester Edition'.

Die Edition von Partitur und Stimmen der Suite für Orchester op. 35 'Aus einem Tagebuch' wird im kommenden Winter abgeschlossen werden können.

Die Suche nach finanziellen Mitteln für weitere Einspielungen von Orchesterwerken ist verständlicherweise sehr schwierig. Hingegen stellen wir erfreut fest, dass bereits die bis jetzt realisierten Aufnahmen und die Noten-Edition der Sinfonie op. 10 in fis-Moll einiges in Bewegung brachten und das Interesse an Paul Juons Orchesterwerken bei Solisten, Orchestern, Dirigenten und CD-Produzenten geweckt haben.

Da zur Zeit die Auslieferung der CDs der Sinfonien aus unserer Orchester Edition in der Schweiz eingeschränkt ist, können sie vorübergehend direkt bei der IJG bestellt werden.

 

Begebenheiten aus dem Leben der Int. Juon Gesellschaft

a) Paul und Eduard Juon in Masein im August 1922

Dank der Aufmerksamkeit von Frau Widmer, einer sehr lebendigen 87-jährigen Frau, deren Eltern in dritter Generation das heute nicht mehr existierende Hotel <Gemsli> führten, konnte ich das letzte Glied finden in der Beweiskette, dass Juon tatsächlich in seinem Heimatort Masein war, um seinem Wunsch um Bestätigung des Bürgerrechtes Nachdruck zu verleihen. (Und das klappte ja dann auch!) In der BCU sind die relevanten Gesuchsbriefe digital einsehbar (die Originale liegen im Staatsarchiv in Chur), und Frau Widmer zeigte mir nun im noch erhaltenen 'Livre des étrangers' des Hotels die Einträge von Paul Juon und seinem Bruder Eduard. Dieser, in Muri bei Bern wohnend und besser vertraut mit dem richtigen Umgang mit den hiesigen Behörden, unterstützte ihn nicht nur bei dessen Gesuchen, sondern begleitete ihn dann auch. Da es im kleinen Dorf Masein oben sicher kein Hotel gab, stiegen sie am 14. August 1922 eben im grösseren, nahe gelegenen Marktflecken Thusis ab, im 'Gemsli', welches einen guten Namen hatte, und suchten von dort aus den Gemeindepräsidenten Giesch persönlich auf.

[Ein interessantes Detail ist übrigens, dass im Bucheintrag der <Professor d. Musik> Paul als Wohn-ort nicht etwa Berlin angab, sondern das in der Schweiz liegende Langenbruck, wo er ja tatsächlich ein (Ferien-)Domizil hatte. Möglicherweise war es hilfreich, in diesem Zusammenhang eben auf eine Schweizer Adresse zurückgreifen zu können.]

 

b) Nachforschungen zur Juon-Sippe - wertvolle Hilfe der Enkelin von Eduard Juon (Bruder von Paul)
[--> siehe auch unter c)]

Bei meinen Nachforschungen zur weitverzweigten und komplizierten Juon-Sippe verdanke ich neue Erkenntnisse Frau Arin, der Enkelin von Paul Juons Bruder Eduard. In einem mehrseitigen Brief nahm sie sich die grosse Mühe, mich über Personen und Lebensdaten zu dokumentieren und mir wertvolle Zusammenhänge plausibel zu erklären, die so weit zurückliegen, dass sich nicht mehr viele Menschen daran erinnern.

c) Aja, die älteste Tochter von Paul Juon, und Andreas Juon, der Maler – Gespräch mit E. Messmer

In einem schönen und informativen Gespräch am 18. Juni 2016 mit Frau Messmer, einem Mitglied unserer Gesellschaft seit deren Gründung durch Thomas Badrutt, konnte ich einige Puzzlesteine aus der komplizierten Geschichte der weitverzweigten Sippe der Juons zusammensetzen.
So erfuhr ich, dass Frau Messmer mit dem mit ihr befreundeten Maler Andreas Juon (1895 - 1991) im März 1986 nach Paris reiste und von dort aus auch Aja, die älteste Tochter von Paul Juon, besuchte.
Die beiden betagten Menschen aus dem gleichen Walser Stamm, sie ursprünglich von Masein, er aus dem Safiental – also nur getrennt durch den Heinzenberg – hatten bis zu diesem Tag nichts voneinander gewusst. Es muss eine sehr eindrückliche Begegnung gewesen sein. Die Beiden verstanden sich auf Anhieb – der Beginn einer treuen, jahrelangen Verbundenheit. Auch nach dem Tod von Andreas Juon trafen Wünsche und österliche Grüsse bei Frau Messmer ein – die letzten 2000, ein Jahr vor Ajas Tod.
Eindrücklich für Frau Messmer war aber auch die tiefe Verbundenheit von Aja (Anna) Erguine-Juon mit der Russisch-orthodoxen Kirche und ihrem berühmten Friedhof in Ste-Geneviève-des-Bois. Hier hatte sie den grössten Teil ihres Lebens verbracht – ihr Mann war Pope in der Gemeinde – und hier blieb sie tatkräftig mit Leib und Seele verwurzelt.
Im Namen der IJG danke ich Frau Messmer herzlich für die Überlassung der Fotos von dieser Begegnung und der noch erhaltenen Postkarten. Sie werden in Kürze in der BCU, im Fonds Paul Juon, zugänglich sein.

 

 

d) Gute Nachrichten von der BCUL in Lausanne

Von Frau Monnier, der Musik-Archivarin aus Lausanne, habe ich wiederum drei gute Nachrichten erhalten:
- Eine Mitarbeiterin des RISM (Répertoire International des Sources Musicales) hat Juons gesamten Notenbestand im Musikarchiv der BCUL katalogisiert.
Er ist nun einsehbar im Katalog des RISM unter: http://www.rism-ch.org/catalog/?utf8=%E2%9C%93&locale=de&search_field=any_field&q=Fonds+Paul+Juon
- Zusätzlich hat ihr die Nationalphonothek mitgeteilt, dass auch dort bereits mehr und mehr Tonträger unseres Komponisten digitalisiert gespeichert sind.
- Auf unsere Anregung hin hat die BCUL freundlicherweise ein originales Werkverzeichnis von Juon angeschafft, das antiquarisch angeboten wurde. Auch dieses wird gelegentlich digitalisiert abrufbar sein.

 

e) Juon-Stele in Langenbruck

Wie Sie wissen, durfte die IJG im Jahre 2015 in Langenbruck, dem Dorfe, in welchem Juon, seine Frau und zwei seiner Töchter in einem Familiengrab liegen, 2015 ein Festival zum 75. Todesjahr des Komponisten durchführen, deren bedeutende Kosten verdankenswerterweise weitgehend die Vereinigung 'Kulturbruck' übernahm.
Langenbruck errichtet 2016/2017 an verschiedenen Stellen im Ort metallene Stelen, die u. a. an bedeutende Langenbrucker Persönlichkeiten erinnern; nebst Paul Juon ist das z. B. der Flieger Oskar Bider. Wir haben beschlossen, die Stele unseres Komponisten (360.-) zu sponsern.

 

f) CD-Neueinspielungen von Juon-Werken

- Der amerikanische Pianist Igor Kraevsky ist mit seinem 'Juon-Project' ein schon langjähriger Förderer von Juons Musik. Im März dieses Jahres hat er erneut eine Juon-CD vorgelegt, diesmal zusammen mit der Geigerin Jennifer Orchard. Zwei der Stücke sind Übertragungen von Werken für Violine und Orchester, nämlich das namengebende 'Weisse Nächte' (es bezieht sich auf die 'Elegie' aus dem 2. Violinkonzert) und die Burletta, op. 97. Der Rest sind Originalwerke für diese Besetzung, nämlich die Werkgruppen op. 52 und op. 64, unter denen auch einige richtige 'Schmankerln' zu finden sind.
Minstrel MLCD 1601

- Erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist eine äusserst hörenswerte Einspielung fast aller Lieder von Juon mit Opus-Nummern sowie je eine Auswahl aus den 'Ukrainischen, Russischen und Jüdischen Volksliedern'. Diese haben keine Opus-Zahl und es handelt sich bei diesen spannenden Liedern um eine Erstaufnahme. Berufene Interpreten sind zwei bekannte, aus Graubünden stammende Musiker, die Mezzosopranistin Maria Riccarda Wesseling und der Pianist Clau Scherrer.
Coviello Classics, COV 91612

 

g) Aufführung eines Orchesterwerkes in England

Mit Freude habe ich nachfolgende mail gelesen, die ich als Information erhielt und im Original wiedergebe. Sie zeigt, dass auch die grossen Orchesterwerke, gespielt von renommierten Klangkörpern, mehr und mehr Interesse finden:
'...Yesterday - 4 August 2016 - I saw a performance of the Rhapsodic Symphony op. 95 by the BBC Philharmonic Orchestra conducted by John Storgårds at MediaCity UK, Salford Quays, Salford. The work is to be broadcasted on BBC Radio 3 sometime in the new year. The conductor thought this might be the British premiere of the work. It was well-received by a studio audience of several hundred people.

 

h) Rob Barnett - Musicweb-International.com

Rob Barnett (auch er hatte mich auf die erwähnte Aufführung von op. 95 aufmerksam gemacht) ist für mich eine Neuentdeckung. Er ist 'Editor-in-Chief' des MusicWeb International und schreibt u. a. Musikkritiken.
Auf einer Unterseite von 'Musicweb', nämlich <seenandheard-international.com> finden Sie aus neuester Zeit z. B. fundierte und ausführliche Kritiken der unter g) erwähnten Rhapsodischen Sinfonie op. 95 oder eine solche unserer beiden ersten CD's der Orchester Edition mit den Sinfonien op. 10 und 23, Vaegtervise op. 31 und Suite op. 93.
http://musicweb-international.com
http://seenandheard-international.com

 

 

 


 

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