Mitteilungsblätter


Nummer 45

1. Februar 2021

Liebe Juon-Freunde

Haben Sie sich gefragt, weshalb Sie im letzten Jahr erstmalig nur einmal ein Mitteilungsblatt erhalten haben, nämlich wie üblich dasjenige im Februar, nicht aber ein zweites im Oktober?
Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Corona hatte auch uns insofern im Griff, als Aktivitäten nach aussen, und damit der Bericht über solche, halt nicht möglich waren.

Mittlerweile geht unsere intensive Arbeit an der <Orchester Edition> ins zehnte Jahr. Der Enkel von Paul Juon, Philippe, entdeckte 1997 bei sich zu Hause die lange als verschollen geltende originale, handschriftliche Partitur der 1. Sinfonie in fis-Moll, op. 10 und brachte diese in die BCUL.
Christof Escher hat das Manuskript dort kennengelernt, begeisterte sich für dieses grosse Werk und entschloss sich, davon eine Dirigier-Partitur und die Orchesterstimmen herzustellen. 2011 spielte er sie mit dem 'Moscow Symphony Orchestra' auf CD ein und brachte sie später mit dem 'orchestra giovane' in fünf Konzerten zur Erstaufführung in der Schweiz.
Seither ist es die Kernaufgabe unserer Gesellschaft, sämtliche bisher noch unveröffentlichten oder ungenügend edierten Orchesterwerke zum Gebrauch in Partitur und Stimmen bereitzustellen. Zusätzlich zu einer fehlerfreien Partitur müssen in aufwändiger Arbeit für jede einzelne Stimme im Orchester praxistaugliche Noten hergestellt werden (andere Pausendarstellungen als in der Partitur, das Layout so, dass die Stimmen an geeigneten Stellen umgeblättert werden können, etc.)

Im Hauptartikel geben wir Ihnen einen kleinen Einblick in diese Arbeit, und zwar anhand der <Drei Sinfonischen Skizzen>, die Teil des Nachlasses sind, welche die BCUL Ende 2019 erwerben konnte.

Wir wollen unsere Arbeit an der Orchester Edition noch in 2021 vollenden können, weshalb es auch in diesem Jahr bei dieser einen Nummer des Mitteilungsblattes bleiben wird. Denn wir wollen rechtzeitig bereit sein für das Jubiläumsjahr 2022, in welchem wir den 150. Geburtstag des Komponisten feiern können (8. März 1872).

Im Newsletter legen wir wiederum Rechenschaft ab über unsere Buchhaltung des abgeschlossenen Jahres 2020 und vergessen in der Rubrik 'Begebenheiten' auch zwei Notizen nicht.

 

Wie immer wünsche ich Ihnen gute Lektüre und sende herzliche Grüsse, Ihr

 

 

Beobachtungen und Spekulationen zu den 'Drei sinfonischen Skizzen'

Sie erinnern sich: In der letzten Nummer durfte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, dass die BCUL mit Hilfe des Kantons Waadt ca. 60 wertvolle originale Handschriften von Paul Juon ankaufen konnte. Ein Gewinn für die BCUL - und wieviel mehr erst für uns! Wir sind darüber sehr glücklich.
Unter diesen Handschriften befindet sich auch eine mit dem Titel <Drei Sinfonische Skizzen>. Sie trägt kein Datum und ist auch in keinem Verzeichnis des Komponisten erwähnt. Und doch schliesst sich mit diesem Fund ein Kreis, denn in unserer 'Bibel', dem Werkverzeichnis von Thomas Badrutt, sind die Skizzen im Anhang unter A 6.2. aufgeführt.
Mit ziemlicher Sicherheit sind diese Noten der letzte Baustein, der in unserer <Orchester Edition> noch fehlt!
Selbstverständlich haben wir uns sofort an die Arbeit gemacht, dieses Werk, von dem nur die handschriftliche Partitur mit recht vielen Korrekturen existiert, zu digitalisieren. D.h. wir haben davon sowohl eine Dirigentenpartitur erstellt wie auch sämtliche einzelnen Orchesterstimmen aufbereitet. Wir hoffen, dass sich Dirigenten und Orchester dafür interessieren, denn ein Konzert mit dieser Musik wäre fast sicher nichts weniger als eine Uraufführung!
Beim Herstellen einer solchen Partitur stellen sich viele Fragen, manches bleibt aber auch Spekula-tion. Um Ihnen, abgesehen von der technischen Umsetzung, einen Einblick in unsere Arbeit geben zu können, führe ich hier einige davon auf:

a) Eine kleine Auslegeordnung der Sätze in der vorgefundenen Partitur:
- 1. Satz, Präludium
            Allegro con moto e ardito; 21 Seiten; 159 Takte, 4/4; Tonart c-Moll;
            Besetzung: Holz, Blech, Pauken, Schlagzeug (auf 1 System notiert), Harfe, Streicher
- 2. Satz, Elegie
            Adagio; 9 Seiten (bei Th. Badrutt: 7 Seiten?); 94 Takte, 3/4; Tonart f-Moll;
            Besetzung: Holz, Blech, ohne Pauken und Schlagzeug, Streicher
- 3. Satz, Scherzo
            Vivace; 23 Seiten; 137 Takte, 6/8; Tonarten B-/Es-Dur;
            Besetzung: Holz, Blech, Pauken, Schlagzeug (auf 2 Systemen notiert, aber spärlich verwen-       det), Streicher

b) Weitere Beobachtungen:

c) mögliche Schlüsse/Spekulationen:
-    In der Spätromantik sind Sinfonien in aller Regel viersätzig gebaut. Zwischen einem (meist) schnellen Kopfsatz und einem ebenfalls meist schnellen Schlusssatz stehen ein langsamer Satz sowie ein aus dem klassischen Menuett/Trio weiterentwickeltes, nun schnelles Scherzo/Trio. Der langsame Satz kann dabei an zweiter oder dritter Stelle stehen.
-    Diese sinfonischen Skizzen (sic!) enthalten aber nur drei Sätze.
-    Dabei ist in der Handschrift erst noch die Reihenfolge des zweiten, bzw. dritten Satzes unklar.
--> interessante Spekulation: Könnte es sich vielleicht gar um die Skizzen zu einer weiteren Sinfonie handeln (ausser denjenigen von op. 10 in fis und op. 23 in A), also um eine 'Unvollendete'??
Für zukünftige Juon-Forscher öffnet sich bei so einem Werk ein weites Feld von Fragen, etwa:
-    Handelt es sich um Vorstudien zu Sinfonien (dann wären sie wohl vor op. 10 einzuordnen)?
-    Durch stilistische, aber auch durch Schriftvergleiche könnte man die 'Skizzen' der frühen, mittleren oder späten Periode zuordnen (die meisten weiteren Orchesterwerke etwa sind Spätwerke, aber Werke mit Soloinstrumenten und Orchester gibt es auch in der Mitte seines Schaffens).
-    Weshalb haben die 'Skizzen' keine Opuszahl; hat das organisatorische Gründe oder vielleicht andere? Falls ja, welche?
-    Offen bleibt auch die Frage, weshalb er den vorhandenen Notentext mit 'Drei Sinfonische Skizzen' betitelt und nicht z. B. als 'Sinfonie xy', bei dem halt der vierte Satz (beispielsweise wieder mit Harfe) noch fehlt.
-    etc., etc.

 

Auswertung der (schriftlichen/digitalen) GV 2020

Die GV 2020 wurde (in der Corona-Zeit) schriftlich/digital durchgeführt.

Versand am: 1. April 2020    
       
Anzahl Mitglieder total     38
100.00 %
       
Rücklauf bis: 15. Mai 2020    
       
per Post - Einzelmitglieder   2
5.26 %
per mail - Einzelmitglieder
4  
    - Einzel-Gönnermitglieder 1  
  - Paarmitglieder 4  
  - Studentenmitglied 1 10
26.32 %
       
total     12
31.58 %

                                                                                                            
Die Tätigkeitsberichte und die Rechnungen 2018 und 2019 wurden je von allen Antwortenden genehmigt.

 

Buchhaltung/Revision 2020 der Int. Juon Gesellschaft und
Einladung zur Erneuerung der Mitgliedschaft 2021

Auszug aus dem Revisionsbericht unseres Revisors, Herrn G. Wick:
Ich habe die Buchhaltung der Internationalen Juon Gesellschaft des Jahres 2020 (abgeschlossen per 31. 12. 2020) geprüft und in Ordnung befunden.

Gesellschaftsvermögen am 31. 12. 2020
19'726.82
Zunahme im Jahre 2020
+ 185.21

Ich beantrage, dem Kassier Décharge zu erteilen.

                                                                                                                                   (gez. Georg Wick)

Die Mitglieder finden diesem Mitteilungsblatt beigelegt wiederum den Einzahlungsschein der Postfinance mit der Kontonummer 90-118805-6 für die Erneuerung der Mitgliedschaft (mit Statusangabe [E = Einzelmitglied, 50.-; EG = Einzel-Gönnermitglied, 100.-; S = Studentenmitglied, 30.-; P = Paarmitglied, 70.-; PG = Paar-Gönnermitglied, 150.-; K = Kollektivmitglied/Institution, 100.-]); und ich erlaube mir ebenso wieder, Ihnen mit gleicher Post gerade die Zahlungsbestätigung zukommen zu lassen, mit der Sie Ihren Beitrag beim Steueramt als Zuwendung deklarieren dürfen.

Ich danke Ihnen dafür, wie sehr Sie der IJG die Treue halten und bitte Sie, dies auch weiterhin zu tun, indem Sie bis Ende März Ihren Jahresbeitrag für 2021 einzahlen, aber bitte möglichst nicht am Schalter, da uns das zu hohe und unnötige Kosten verursacht. Danke dafür, danke aber auch, dass der Kassier jeweils kaum Mahnungen versenden muss - ein schönes Zeichen Ihrer bewussten Unterstützung unserer Arbeit.

Bei Einzahlungen aus dem Ausland:

BIC oder SWIFT          POFICHBEXXX
Clearing oder BC-Nr.    9000
IBAN                          CH70 0900 0000 9011 8805 6
Name                          Int. Juon Gesellschaft, CH-3097 Liebefeld

Aus dem Ausland ist es auch möglich, via PayPal Ihren Mitgliederbeitrag zu begleichen. Dazu brauchen Sie die folgende Angabe:

paypal.me/UFalett

 

Mitgliederbestand

Leider ist die IJG im vergangenen Jahr wieder etwas kleiner geworden. Per 1. Januar 2021 zählt sie in 6 Gruppen 34 Mitglieder; 21 Einzel-, 3 Einzel Gönner-,4* Paar-,4 Kollektiv-/Institutionsmitglie-der,1 Ehren-,1 Studentenmitglied.
*für diese kleine Statistik werden zwar 4 Paare als Mitglieder gezählt, aber es sind natürlich 8 Personen.
Austritte im Jahre 2020 gab es aus Alters- und/oder finanziellen Gründen.

 

Begebenheiten aus dem Leben der Int. Juon Gesellschaft

a) Unser Ehrenmitglied, Walter Labhart, hat mich in einem Brief vom September 2020 in verdankenswerter Weise auf einen Artikel des renommierten Musikwissenschaftlers Helmut Loos aufmerksam gemacht, welcher im neuen Buch 'Russische Musik in Westeuropa bis 1917 - Ideen Funktionen Transfers' (edition text + kritik) erschienen ist: <Paul Juon und die Rezeption russischer Musik im deutschsprachigen Raum>. Unser Komponist ist also durchaus ein Forschungsthema.

b) In einer Konzertwerbung habe ich diese hübsche 'Definition' der Juonschen Musik gefunden: "...widely admired in his days and currently being rediscovered..."


 

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