| zum Textverzeichnis |
Band I.
Geboren am 8. März 1872 zu Moskau.
Band II.
Mein Vater war Beamter einer Feuerversicherungsgesellschaft (gegenwärtig
ist er Direktor einer solchen). meine Mutter beschäftigte
sich gern mit Kunst, sie sang und spielte ein wenig. Aus dem Umstand,
dass ich mich als Knabe gern unter dem Flügel aufhielt (vermutlich
um Pedalstudien zu machen!), folgerte man, dass ich ein grosses
Talent für die Musik habe und engagierte für mich eine
Klavierlehrerin. Bei dieser Dame lernte ich J. Ascher's sämtliche
Werke u. ähnliche Stücke mit Gefühl spielen. Zu
meiner Glück starb die Dame bald, und ich erhielt einen Lehrer
in der Person L. Samson's, bei dem ich ernstere Dinge lernte.
Später erhielt ich auch Geigenunterricht, denn mein Vater
wollte einen Geiger aus mir machen.
Band III.
Meine erste Komposition schrieb ich etwa 12 - 13 Jahre alt, auf
Veranlassung meines Vaters nieder, welcher gemerkt hatte, dass
ich gern am Klavier sass und improvisierte. Es war ein Klavierstück
und hiess "Trennung und Wiedersehen." Weiter weiss ich
nichts mehr davon. Ich weiss nur, dass ich seit der Zeit eine
unzählige Menge verschiedener Stücke (vornehmlich Klavier-
Violinsonaten) "komponierte", was mir furchtbar viel
Spass machte, besonders wenn die Schnörkel und Verzierungen
auf dem Titelblatt gut und zahlreich gelangen. Das Titelblatt
war die Hauptsache. Ich machte es immer zu allererst, bevor auch
nur eine Note des Stückes komponiert war (manchmal blieb
es auch unkomponiert und ich begnügte mich mit dem Titelblatt).
Von der Theorie der Musik habe ich damals noch garnichts gewusst,
denn ich habe das Studium derselben erst auf dem Konservatorium
begonnen.
Band IV.
Auf das Konservatorium kam ich im Jahre 1888 und studierte dort
auf Wunsch meines Vaters hauptsächlich Geige. Doch interessierten
mich die Theoriestunden bei Arensky und Tanejew bei weitem mehr.
Noch mehr aber - Mädchenaugen, Mädchenherzen; darum
studierte ich sie auch am eifrigsten; ich bereue es aber nicht,
obwohl dadurch meine anderen Studien zeitweise nur sehr bedenkliche
Fortschritte machten.
Im Jahre 1894 kam ich nach Berlin, um unter Prof. Woldemar Bargiel
weiter zu arbeiten.
Band V.
Im Jahre 1896 erntete ich auf allen von mir durchstudierten Gebieten
meine ersten Erfolge: ich erhielt einen Ruf an die Musikschule
zu Baku als Violinlehrer, das Mendelssohnstipendium für Komposition
wurde mir verliehen, und - die schönsten Mädchenaugen,
das beste Mädchenherz durfte ich mein nennen.
In Baku blieb ich nur ein Jahr: ich fand dort gar zu wenig künstlerische
Anregung und beschloss, mit Frau und Kind nach Berlin überzusiedeln,
um hier mein Glück zu versuchen. So lebe ich denn seit Oktober
1897 in Berlin, gebe Unterricht, komponiere "ein bisserl"
und fühle mich recht wohl, trotzdem ich 3 Kinder und 1 Schwiegermutter
habe.
Band VI.
Im Oktober 1901 erhielt ich ein Stipendium der Franz Liszt Stiftung
und im April 1906 bin ich zum Lehrer für Komposition an der
Kngl. Hochschule für Musik ernannt worden.
Band VII.
Seit dem 1. April 1907, 4 Uhr nachmittags, trage ich einen langen
Spitzbart.
